Empirekleid um 1809

Empirekleid um 1809

Ich habe vor langer Zeit aus einem rosa Stoff ein Empirekleid angefangen und leider liegt es immernoch unvollendet in der Nähkiste. Ich werde es wohl einfärben, denn der Farbton steht mir gar nicht und an diesem Stück sind mir auch gleich einige Sachen aufgefallen, die mir nicht so gefallen und die leider von der Beispielzeichnung des Schnitts abweichen.

So habe ich zum Beispiel den Brustbereich etwas gestaucht und die Raffung reduziert, denn tatsächlich wirkt meine Oberweite in dem rosa Ding, als hätte ich Doppel-D (und da bin ich weit entfernt und bin auch froh darüber…) Zum anderen war mit der Ausschnitt zu wenig, bzw. die Taille saß dadurch dann auch tiefer. Hinten genau das gleiche Spiel, auch da war mir der Ausschnitt nicht tief genug. Die Ärmel im Schnitt waren auch viel zu groß. Selbst in gerafftem Zustand würden sie fast den gesamten Oberarm bedecken und da sah nur plump aus, aber nicht wirklich schön.

Mit diesem Vorhaben also ging es an einen hellblauen Baumwollstoff mit kleinen aufgedruckten Blumen. Eigentlich hatte ich vor den Stoff mit der linken Seite nach außen zu verwenden, damit das Blumenmuster nicht so aufdringlich erscheint, aber irgendwie hat mir das nach dem Zuschneiden so gefallen, dass ich dachte: egal! Soll sowieso nicht 100% A werden und es hatte einfach so etwas frisches an sich…

Als Futter habe ich Bomull genommen. Scheinbar habe ich nämlich einen Ballen erwischt, der wohl etwas dickere Qualität als sonst ausspuckt. Es hat auf jedenfall mehr Stand als mein bisheriger Stoff von dieser Sorte und für dieses leichte Oberteil ist ja ohnehin nicht ganz so viel Festigkeit möglich.


Mit ein paar Stichen ist das schnell von Hand genäht.

Ich habe diesesmal auch etwas anders gearbeitet als beim ersten Mal, denn da fallen einem natürlich die Schwachstellen auf. Das Oberteil und den Rock habe ich z.B. erst an den Futterteil des Taillenbandes genäht und dann später das Oberstoff-Tailenband oben drauf, so ist der Rockteil zweimal gesichert und man kann mit der Nadel noch kleine Fältchen (die durch das Raffen etwas ungünstig liegen) korrigieren.


Hier sieht man: der Rockteil ist bereits dran und das Band wird von außen an festgeheftet.

Die Ärmel wollte ich relativ kurz haben (zumindest im Vergleich zum Originalschnitt) also habe ich den Originalschnitt stark komprimiert. Ansonsten ist die Vorgehensweise die gleiche, wie beim üblichen Ärmel einnähen. Erst habe ich einen Streifen mit der länge des späteren Armbands auf den gerafften Abschluss genäht, damit die Raffung sich nicht auflöst, bzw. verrutscht und um dieses Band wurde dann das eigentliche Armband genäht. Ebenfalls von außen und an den Enden wie auf dem Bild unten zu sehen eingefaltet. Selbe vorgehensweise auf der oberen Seite des Ärmels, mit dem Unterschied, dass die Ärmel direkt auf das Oberteilfutter geheftet und dann der Oberstoff umgeschlagen auf die Naht genäht wurde. Zu guter letzt natürlich die Raffnähte wieder rausgezogen und fertig ist das Oberteil.


Links der Ärmel mit den Raffungsnähten – Rechts das Armband für den unteren Abschluss zum Zusammensetzen gefaltet.

Den Rock habe ich von Hand mit einem Saumstich versäumt, das nimmt zwar Zeit in Anspruch, aber sieht hübscher aus, als von der Maschine. Mit der Maschine habe ich ohnehin nur die Rockbahnen zusammengenäht (also zwei Nähte) und der Rest ist alles von Hand vernäht worden, das finde ich effektiver und bin vermutlicher auch schneller, als wenn ich wieder irgendeine blöde Naht auftrennen muss.

Fehlen nur noch die Knöpfe und die Knopflöcher. Dazu muss ich sagen: ich näh gern Ösen, aber Knopflöcher hasse ich…und ich weiß auch warum: die werden nicht gleichmäßig bei mir, weil mir einfach die Übung fehlt. Aber das zu Üben habe ich auch keine Lust, also sollte ich mal ein Projekt suchen, bei dem man viele Löcher nähen muss :P Zudem hatte ich kein passendes Garn mehr im Haus, also habe ich mit normalem Faden doppelt gelegt die Löcher umstochen…geht schließlich genau so.
Für die Knöpfe habe ich beziehbare Metallknöpfe genommen, allerdings habe ich den Stoff selbst drum herum genäht und diesen Gegenpart unten weggelassen (bei mir funktionieren diese Knöpfe eh nie…)


Um viel Volumen im Rock zu haben, habe ich hinten tiefe Falten gelegt.

Und hier mein Ergebnis:

Was ich jetzt noch zusätzlich gerne hätte? Auf jedenfall eine Chemisette um das Kleid auch tagsüber tragen zu können und lange Ärmel, die ich bei Bedarf an die bisherigen Ärmel als Verlängerung heften kann. Außerdem brauch ich eine süße kleine Schute,…Stoff dafür ist ja noch genug da.
Außerdem habe ich noch ein Schnittmuster für einen Spencer hier liegen *hust* Also bin ich noch nicht ganz fertig, aber zumindest mal einen Schritt weiter.

Reiseschnürleib um 1800

Reiseschnürleib um 1800

Ich plane ein Empire-Outfit und da ich noch nie etwas aus der Epoche genäht habe, brauche ich erstmal passende Unterwäsche.

Ich hab lang überlegt, was für ein Modell es werden sollte, denn gerade in dieser Zeit gabs ja einen ziemlichen Umbruch. Es gibt wohl viele, die einen modernen BH darunter tragen, weil das der Form wegen wohl sehr ähnlich ist, aber das möchte ich auf keinen Fall. Ganz oder gar nicht :] Ich habe schon lange eine tolle Kostümseite in meinen Favoriten, von wo ich auch meinen Schnitt habe: Short Stays – Kleidung um 1800

Es handelt sich um ein Reiseleibchen und ich dachte für den Anfang ist das vielleicht genau das Richtige. Ich möchte zusätzlich zwar auch ihren anderen Schnitt zu einem normalem Schnürleib ausprobieren, aber fürs erste geb ich mich mit dem Reisemodell zufrieden. Das praktische an diesem Modell ist: es kann ganz einfach vorn geschlossen werden, weil die hinteren Träger wieder nach vorne wandern und man kann sich alleine anziehen!

IMG_0398Meine wilde Skizze und die noch wildere Rechnerei, sowie sämtliche Größenangaben…

Dazu muss ich sagen, ich habe noch nie einen Schnitt vergrößern müssen, lediglich anpassen und so saß ich da und hab versucht mich an die Dreisatzregeln zu erinnern…obwohl man das doch öfters braucht, steh ich trotzdem jedes Mal wie der Ochs vorm Berg. Achja und ich hab keinen Drucker, folglich saß ich also da, hab brav cm gezählt und alles schön nachgemalt.

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Übertragen auf kariertes Papier mit Tesa fein zusammen geklebt…

Der Schnitt ist so simpel, dass man eigentlich nichts falsch machen kann. Ich musste jedoch die Träger doch um einiges verlängern, weil sie viel zu kurz waren und der eingesetzte Brustkeil war ein bisschen zu groß, sodass ich ihn durch zwei Abnäher wieder verkleinert habe.
Einmal anprobiert hab ich es schon, das sah eigentlich ganz gut aus. Inzwischen habe ich die Träger auch verlängert, brav Ösen für die Halterung genäht und angefangen das Ganze einzufassen. Ich würde der Form wegen gerne noch einen Tunnel zur Stabilisation schräg die Brust entlanglaufend machen, ich hab das Gefühl, dadurch würde es besser sitzen.

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Schnürleib von außen

Wie man sieht verlaufen nur in der Mitte zwei Tunnel (meine geplanten sind ja noch nicht gemacht, die würden dann diagonal laufen). Ich hab zwei dicke Kabelbinder genommen, das reicht vollkommen. Leider waren das meine letzten Zwei, darum muss ich erstmal wieder welche besorgen gehen. Verwendet habe ich übrigens ein altes Kopfkissen, ein dicker Baumwollstoff, der ein bisschen eine Leinenoptik hat (vllt ist es sogar ein Mix, wer weiß…) und innen Ikeastoff. Ist natürlich bei weitem nicht so fest wie Coutil, aber für dieses legere Stück tuts das Allemal!

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Das Innenleben und der verkleinerte Abnäher, da muss noch Futter von innen dagegen…

Inzwischen sind die Kabelbinder da und ich habe den Tunnel unterhalb der Öse schräg nach vorne eingenäht. Damit wär das Stück fertig.

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Angezogen im fertigen Zustand.

Ich bin eigentlich sehr zufrieden und kann jedem nur raten diesen schrägen Tunnel auch hinzuzufügen, denn seit der da ist, sitzt es. Davor war es ein wenig lose und wollte nicht auf Position bleiben, und das Leibchen liegt auch viel besser an und steht nicht seltsam ab. Ich muss leider an den Trägern nochmal die Länge etwas kürzen, denn durch den Tunnel sitzt es nun anders und die Träger sind leider einen Tick zu lang :/ Aber das ist ja schnell gemacht.