Tutorial: Bergère

Tutorial: Bergère

Der wohl beliebteste Hut im 18. Jahrhundert war die Bergère (französisch = Schäferin). Eigentlich ein Hut der arbeitenden Bevölkerung, wurde der Hut im Sinne der „Schäferromantik“ auch beim Adel populär. Klassisch war der Hut ein Rad aus Stroh und hatte eine kleine flache Krone. Die Oberschicht trug aber auch gerne in edlen Stoffen bezogene Exemplare.

The most popular hat of the 18th century was called bergère. (french = shepherdess) Actually this was the hat style of the working class, but with the upcoming passsion for the shepherdess style the hat became popular in the Upperclass. It was a straw wheel with a shallow crown. The upperclass had also examples made of expensive fabrics.

MATERIAL

* Hutstroh oder 1-2 Tischset
Hutstroh ist teilweise schwer zu bekommen, aber wer welches findet oder Reste hat, kann sich so einfach einen großen Teller nähen. Meine Exemplare haben meist einen Durchmesser von 40cm – 50cm.
Eine beliebte und effektive Möglichkeit sind runde Tischsets aus Stroh. Die gibt es bei Inneneinrichtungshäusern, Baumärkten und Dekoshops – wichtig dabei ist: sie sollten aus echtem Stroh bestehen. (wenn ihr euch unsicher seid: riecht daran – Stroh hat immer einen Eigengeruch)
Wer seinen Hut ohnehin beziehen möchte kann Buckram oder ähnliche feste Materialien verwenden und die Krone nähen. (Definitiv der höhere Aufwand)
Wer nur Kunststoffsets findet kann diese natürlich mit Draht verstärken (dazu im Zickzackstich den Draht auf der ganzen Hutfläche anbringen). Damit kann der Hut auch geformt werden und ist etwas stabilisiert – so fest wie ein Strohhut wird er aber nicht werden.

* Hat Straw or 1-2 table mat
It‘s difficult to buy hat straw, if you have some you can easily sew a round plate. My examples have often diameters of 40 – 50 cm.
A good alternative is a table mat made out of straw. You can find them in craft shops, hardware houses or decoration stores – just make sure that it is made of real straw (if you are not sure: straw smells!) If you want to cover your hat with fabric, then buckram or similiar materials can be used, but you have to sew the crown by hand. (extra effort)
You can also use plastic table mats, but then you have to stabilise it with wire. (use the zig zag stitch to fix the wire) But it will never be as solid as a real straw hat.

HERSTELLUNG / HOW TO DO

#01 Legt zuvor fest, wie groß euer Hut werden soll. Es gab sowohl kleine, als auch riesige Hüte – am besten bekommt man ein Gefühl, wenn man sich die Haare leicht macht und den Hut an den Kopf hält. Gerade bei einer großen Perücke kann ein Hut sehr schnell klein und verloren wirken. Sollte er euch zu klein sein, trennt vom zweiten Tischset einige Bahnen auf und näht sie an den bestehenden an. Stroh kann man übrigens mit der Nähmaschine nähen.

#01 First think about the size the hat should get. If you‘re not sure, just do your hair (or your wig) and put your unfinished straw hat on it. With a big wig a small hat could easily look little and poor. If it seems to small, undo the second table mat and sew the straw cord around the first mat until you get you‘re favorite size. Straw can simply be sewn by your sewing machine.

Mein Rohling besteht aus Palmenblättern, ein sehr leichtes Material. Ich habe in etwa 4 Bahnen ergänzt.
My blank hat is made out of palm leaves, a very light material. I added about 4 rounds.

#02 Sucht euch eine runde Dose und feuchtet euer Stroh in der Mitte an. Stülpt den Hut über die Dose, damit eine Krone entsteht. Bindet einen Faden um die Krone, damit der Hut nicht in seine Ursprungsposition zurück kann und lasst ihn trocknen. Meine perfekte Dose ist übrigens meine Body Creme mit einem Durchmesser von 10cm.

#02 Use a round shaped box to form the crown. Wet the center of your hat and put it over your box. Tie a string around to fix it and let it dry. My perfect box is my body butter box with a diameter of 10cm.

links: der Hut von unten während dem Trocknen – rechts: die Krone in trockenem Zustand. / left: the bottom while drying – right: the crown already dry.

#03 Falls ihr den Hut schlicht wollt, dann seid ihr jetzt fertig, oder ihr möchtet noch dekorieren: dann fängt der Job gerade erst an! Ich hole immer meine Dekokisten heraus und probiere viel aus. Passend zum Kleid kann das ein farbiges Band sein, nur gebunden, gerafft oder in Falten, vielleicht einige Schleifen? Kunstblumen geben dem Hut einen sommerlichen und verspielten Charme (aber Achtung – die sind meist schwer, testet wie „stark“ euer Hut ist, nicht dass er durchhängt). Und natürlich sehr beliebt: Federn in allen Farben und Formen – unterschätzt nicht wie viel man davon brauchen kann!

#03 If you want a clean hat, than you‘re now finished. If you want some deocoration, you can start beeing creative. Try many things and try to fit it to your dress. A ribbon, maybe ruffled or with a bow? Some feathers? Or flowers? (take care: plastic flowers have a lot of weight – is your hat strong enough?)

Mein fertig dekorierter Hut. / My finished decorated hat.

TRAGEWEISE / HOW TO WEAR

Der Hut konnte auf verschiedene Arten getragen werden:
# mit einer Hutnadel
# mit einem Band am Hinterkopf
# mit einem Band unter dem Kinn

Bei der Bandversion lief das Band entweder über die Hutkrone und verformte den Hut leicht, oder es war unter der Hutkrone angebracht und der Hut behielt seine ursprüngliche Form. Am Hinterkopf gebunden ist eigentlich relativ sicher. Unter dem Kinn ist die sicherste Variante und wurde wohl vorwiegend von der arbeitenden Bevölkerung getragen, denn bei starkem Wind hält der Hut dann trotzdem. Es gab sicherlich auch Variationen mit Band und Nadelkombination.

You could wear your hat with a hatpin or a ribbon in the back of your head or a ribbon under your chin. If you choose a ribbon you can tie it over the crown (changes the shape of the hat a bit) or you can attach it at the hat bottom. Wearing the ribbon in the back is very secure. Wearing the ribbon under your chin is only neccessairy if you work and move your head a lot. (or it is very windy) A combination of hatpins and ribbons were also common.

Eine schlichte Version mit einem Band aus dem Reststoff des Rockes. / A simple version with a ribbon made out of the skirt fabric.

Hier trage ich den Hut auf einer Haube nur mit einem Band am Hinterkopf befestigt. / Wearing the hat over my cab with a ribbon.

Dieser Hut ist komplett mit schwarzem Filz bezogen und hält mit einer Hutnadel. / This hat is covered with black felt and fixed with a hatpin.

Zu Gast in Wackershofen Anno Domini 1757

Zu Gast in Wackershofen Anno Domini 1757

Letztes Wochenende waren meine Schwester und ich in Schwäbisch Hall zu Gast im Freilandmuseum, in welchem eine Museumsbelebung statt fand und wir dachten wir beleben das ebenfalls ein wenig, indem wir unsere Kostüme raus kramen und ein bisschen die dortigen Straßen bewandern. Das Museum ist schon seit langem ein kleiner Lieblingsort von mir, denn hier sind sehr liebevoll alte Häuser aus der Umgebung im Original umgesiedelt worden und das Museumsgelände ist rießig, sodass schöne Streuobstwiesen und Kuhweiden zwischen den Häusern liegen.

Zum Glück hatte unser Chauffeur Dienst und wir konnten schon im Kostüm anreisen – in der Ikeatasche sind unsere Fichus, Hüte und die Notfall-Capes (morgens war das Wetter nämlich sehr trüb und es hatte nur 14 Grad – da wussten wir noch nichts von dem kommenden Sonnenschein)
Auf dem Museumsgelände trafen wir später auf Fjalladis (von fjalladis.de) und Patty Coat und flanierten ein wenig und bewunderten die schönen Häuser – wir wären wahrscheinlich alle sofort eingezogen, wären nicht ständig die Museumsbesucher vorbei gekommen…

Ich war hellauf begeistert, es war ein wirklich toller Tag mit Sonne aber nicht all zu heiß, sodass es gerade so auszuhalten war. Das Gelände dort ist super schön – ich kann das jedem nur ans Herz legen und alle Häuser waren geöffnet, so dass es viel zu entdecken gab. Man konnte den Darstellern beim Arbeiten über die Schulter sehen, wir durften selbstgebackenen Kuchen aus einem alten Ofen probieren und hatten wirklich tolle Gespräche mit einigen Leuten, die uns dem Reenactment näher gebracht haben, mit dem ich bisher noch keinen richtigen Kontakt hatte, aber mich schon immer gereizt hat.

Meine Schwester hatte meine Outlander-Jacke aus Leinen an, dazu einen beigen Leinenrock und eine lachsfarbene Schürze (ebenfalls aus Leinen) die wirklich wunderbar zum Outfit gepasst hat. Dazu meine Bergere, die ich zum Rokoko Picknick anhatte, allerdings mit weniger Dekoration. Fatal wie sich herausstellen sollte, denn der Hut ist so leicht, dass er bei den Windböen trotz Band nicht halten wollte. Hutnadel schied aus, weil sie durch die Haube gegangen wäre und wir Angst vor Löchern hatten, darum hatte sie ihn die meiste Zeit in der Hand.
Ich hatte ebenfalls ein Leinenensemble: eine rostrote Jacke, einen blauen Rock, sowie einen beigenen Unterrock (der eigentlich für etwas anderes gedacht war und länger als gedacht war, sodass er doch unten rauslugte…im Nachhinein nicht so schlimm aber eben auch nicht beabsichtigt…) und eine graue Schürze. Dazu eine gröbere Strohbergere (die schwer und damit gut gehalten hat) und ebenfalls eine Haube.