Schnürbrust nach Diderot

Schnürbrust nach Diderot

Neulich wache ich auf und tatsächlich ist mein Gedanke: heute mache ich eine neue Schnürbrust. Meine Alte ist bequem und passt gut, jedoch sind einige Sachen die mich daran stören, wie z.B. die ungleiche Schnürlücke, das dünne Material usw.

Und wenn ich motiviert in den Tag starte, dann muss man das voll ausnutzen!

SAMSTAG

Ich habe ja einen Schnürbrustschnitt hier liegen und zwar ist der von Diderot, allerdings nur halbverstärkt und ohne diese Querstreben an der Brust. Ich finde die aber ungemein dekorativ und wollte zudem ausprobieren, ob das nicht noch zusätzlich stützt.
Online habe ich diesen Schnitt als Skizze gefunden und einfach frei per Hand das in den Schnittplan miteingemalt. Zudem wollte ich runde Zaddeln (was ich später auch wieder bereuen sollte…), also hab ich die ebenfalls abgerundet und noch einige Streben mehr eingefügt, damit die Zaddeln gefüllt sind und nicht teilweise leer wie auf dem Originalschnitt (da frag ich mich sowieso…warum?)


Alles frei per Hand, darum 20 krumme Striche, aber die letzte Linie zählt ja schließlich ;)

Ich hatte keinen Coutil im Haus, aber ich wollte jetzt auch nicht extra einkaufen gehen, darum hab ich mich für einen dicken Baumwollstoff entschieden, der zudem noch gestärkt war, das sollte für genug Stabilität sorgen. Auf den Stoff hab ich dann die Streben übertragen.


Zunächst war die Front ein Teil, zur einfacheren Verarbeitung habe ich es aber in der Mitte getrennt und später wieder zusammen genäht.

Als Oberstoff wollte ich eigentlich einen hellblauen Blumenstoff nehmen, leider war der noch nicht gewaschen und zudem auch noch sehr dünn, dann ist es also doch ein anderer hellblauer Stoff geworden, der zudem ein wenig mehr Stand hat und so mehr Stabilität hineinbringt.


Die zwei Zwischenstoffe und der Oberstoff ausgeschnitten, gebügelt und bereit zur Weiterverarbeitung.

Die Tunnel habe ich mit der Maschine genäht. Ich hasse es ja mit der Maschine zu arbeiten, gerade bei sowas, denn ich hab immer das Gefühl, es wird nicht sauber. Aber es geht halt um Längen schneller und die wunden Hände sollten später eh noch kommen. Ich habe durch alle drei Lagen genäht und dabei die Kreuzungen von den Querstäben offen gelassen, sodass die Stäbe in verschiedenen Lagen durchgeschoben werden können.

SONNTAG

Nach einer ersten Anprobe muss ich sagen, es könnte was werden…ohne Stäbe ist es natürlich ganz schwer zu sagen, vorallem, wenn man allein ist und es so halb mit den Händen hindrückt und schätzt.

Ich habe fast den ganzen Tag mit Füllen der Tunnel verbracht. Ich habe dicke Kabelbinder dazu verwendet, da der Stahl zum einen nicht durch die Tunnel passen wollte *flöt* und zum anderen dachte ich: es ist jetzt so verstärkt, da dürfte das eigentlich genügen.


Die Innenseite: die Nähte innen habe ich unversäubert gelassen, schließlich kommt noch das Futter darüber.

Die Außenseite: Alle Stäbe laufen durch die zwei Futterlagen, nur die Querstäbe sitzen zwischen Futter und Oberstoff. Ein aufgenähter Tunnel wäre vielleicht die bessere Lösung gewesen, aber durch die Teilung der Front ist die Spannung der Stäbe nur geringfügig, schließlich müssen sie sich nur in eine Seite drehen.

Gefüllt ging es an die nächste Anprobe, auch hier ein ungefähres Schätzen, aber ich muss sagen es fühlt sich alles sehr gut, darum mach ich mir keine Sorgen, dass irgendetwas nicht passt.

MONTAG

Schnürbrust einfassen – richtig! Das war es, was dieses Kleidungsstück so unbeliebt macht -.- Ich wollte eigentlich weißes Schrägband (meine Blautöne haben leider alle nicht gepasst…) aber von weißem hatte ich nicht mehr genug im Haus und wollte nicht dafür extra einkaufen gehen müssen, also wurde es rosa (das lustigerweise von der letzten Schnürbrust noch übrig war…)
Zuerst habe ich das Schrägband in der Mitte gefaltet und auf die Nähte genäht als zusätzliche Entlastung und Zierde. Dann natürlich einmal außenrum und zwar die Außenseite zuerst.


Ich habe versucht die Kurven schön vorzustecken, damit es ein wenig schneller geht…das Band ist so widerspenstig, obwohl ich wirklich alles probiert habe, es halbwegs sauber zu machen…

Nach dem halben Tag war ich einmal außenrum. Für die Innenseite habe ich dann das Futter geschnitten und einfach aufgelegt und mit Nadeln festgesteckt. Jeder zweite Stich beim Festnähen ging durch die Zwischenfutterlage, sodass das Futter an den Nähten und am Rand auch nicht verrutscht und Falten wirft.


Am Rand hab ich das Futter durch das Aufnähen des Schrägbands fixiert, auch hier jeder zweite Stich durchs Zwischenfutter.

DIENSTAG

Mein Ruhetag…ein Wunder, dass meine Finger nicht blutig waren – ich bin ja nicht zimperlich, aber ich konnte keine Nadel mehr durchschieben, weil ich überall offene Stelle oder so wunde Stellen hatte, dass jeder Stich schmerzhaft war – die eine Hälfte kam vom Kabelbinderschneiden und durchkämpfen, die andere Hälfte durch missgeschickliches Annähen des Schrägbands und einer immer wiederkehrenden Unaufmerksamkeit, die die Nadel mehr als einmal tief ins Fleisch bohrte. Die Pflaster lagen schon griffbereit auf dem Tisch – mehr muss wohl nicht gesagt werden.

MITTWOCH

Die Höllenarbeit war ja eigentlich verrichten, jetzt mussten nur noch Ösen genäht werden. Das mach ich ja eigentlich gerne…ich habe zu Weihnachten einen Pfriem geschenkt bekommen (weil ich Ösen bisher immer mit Stift/Messer oder anderen Utensilien gestochen habe…das macht kein gleichmäßiges Bild :/ ) und ich bin Feuer und Flamme! So schöne gleichmäßige Ösen hab ich noch nie hinbekommen, weil durch den Durchstich ist es so einfach die schön zu nähen…Ich bin grad im Pfriem-Himmel.


Gestochen waren die Löcher schon von der ersten Anprobe, ich musste sie nur noch durch das Futter nachstechen. Eineinhalb Stunden habe ich für alle Ösen gebraucht…schnell wie ich finde!

Und jetzt der spannende Augenblick: Sie ist fertig! Die 4-Tages Schnürbrust!


Notiz an mich: die nächste Schnürbrust hat wieder eine Frontschnürung oder eine Kammerzofe ist bis dahin eingestellt…ich will nicht beschreiben wie affig das aussieht, wenn man die Stays falsch rum anhat, und dann unter Kraftaufwand versucht das ganze Ding an sich zu drehen und hinten dann festzuschnüren…

Ich finde sie sitzt ganz gut. Eigentlich könnte sie sogar noch enger sein, aber das geht leider nicht (und ich wundere mich, denn meine alte Schnürbrust ist ja nach dem gleichen Schnittmuster und ist etwas weiter…dabei hab ich die ja nicht anders genäht oO) Aber es ist auf jedenfall so tragbar und sehr angenehm. Mal sehen was ich nach einem Kostümtag sagen kann, ob alles immernoch gut gegangen ist. Ich finde sie stützt auf jedenfall besser (ist ja auch mehr verstabt) und ist dennoch leichter, denn die alte war mit Stahlband gefüllt und das merkt man schon am Gewicht…


Hinten ist es eigentlich Kante auf Kante geschnürt.

Das Problem mit der nach unten auseinandergehenden Schnürung das ich mit der alten Schnürbrust hatte ist weg. Mein Problem war, dass die Zaddel an der Seitennaht nicht tief genug eingeschnitten war, zumindest ist das Problem behoben…sollte ich diesen Schnitt nochmals machen, werde ich auf jedenfall die Rückenpartie etwas schmälern, damit ich wieder eine Schnürlücke habe…aber gut das sind Luxusprobleme und wenn ich meine Finger ansehe, wird das wieder ein wenig dauern, bis ich die nächste mache :D