Und wieder einmal eine Schnürbrust nach Diderot…

Und wieder einmal eine Schnürbrust nach Diderot...

Wieder einmal ist es Zeit für eine neue Schnürbrust. Da ich meine allererste eigentlich für alle Anlässe anziehe, weil sie die praktische Frontschnürung hat, ist sie leider auch ein bisschen am kaputt gehen. Und da sie nicht so toll sitzt, möchte ich sie endlich durch ein besseres Stück ersetzen.
Nun wie es leider so kam, habe ich diese Schnürbrust zweimal nähen müssen, weil mir das erste Modell aus verschiedenen Gründen nicht passte.

It‘s time for a new pair of stays! The first stays I made are my favorites, because the front lacing is so useful. Unfortunately it doesn‘t fits well and it starts to come apart. I have to notice that I sew this new pair two times, because the first version doesn‘t fit.

Grundlage für den Schnitt ist wieder mein altbewährter Diderot. Ich habe einige Streben verändert und den Rücken angepasst, denn ich hatte bisher das Problem, dass an den Schultern der Stoff fast überlappt, und die Kluft unten rießig ist. Also mehr Weite unten indem ich eine Zaddel hinzugefügt habe und oben die Breite verschmälert. Außerdem habe ich die Träger ein wenig versetzt, denn wie ich an der alten Schnürbrust gut sehen kann, lag er zu weit unter dem Arm und wurde immer umgeknickt. Zudem habe ich einige Streben verändert oder verstärkt.

I used the Diderot pattern (as before) because I love this pattern so much and it is so easy made. I added some boning and adjust the back. I had the problem, that the lacing overlapped on my shoulders height. And in the lower back the lacing was to wide, so I added a new tab and give it more width with it. And in the upper part I reduced the width. Also the strap was not in the right place, so I moved it more to the front.

Als Material habe ich mich für drei Lagen entschieden. Eine Lage Baumwolle und eine Lage Coutil ergeben das Futter und eine Lage braune Baumwolle den Außenstoff. Bei meinem ersten Versuch hatte ich Baumwolle, Coutil und dickes Wäscheleinen, allerdings ist meine Nähmaschine daran gescheitert und hat nicht mehr sauber genäht.

I choose three layers as material. One layer cotton and one layer coutil as lining for the boning. And one layer of brown cotton as top fabric.

Links: Ich übertrage die geplanten Nähte mit einem Stoffmarker (der nach einiger Zeit verblasst) – Rechts: Alle Lagen werden an verschiedenen Stellen mit einer Nadel fixiert. Schöner wären natürlich Heftnähte…
Left: I mark the seams with my fabric marker on the top fabric – Right: All layers are fixed with some needles, tack stitches would be better…

Um möglichst schöne Nähte zu bekommen, habe ich alles auf den Oberstoff gezeichnet und genäht. Erst nähe ich die Vorderseite innen zusammen, danach werden jeweils eine Naht der Streben genäht. Damit der Tunnel später nicht zu eng ist, schiebe ich den Stäb ein, fixiere ihn mit einigen Nadeln und nähe mit dem Reißverschlussfuß knapp entlang. Vorsicht mit den Stahlstäben – ein unvorsichtiger Stich und die Nadel bricht. Um besser nähen zu können, ziehe ich den Stab nach dem Nähen immer heraus.

I marked everything on the top layer to become nice seams. I sew just one seam of a tunnel, then put the boning in and use the zipper foot to finish the tunnel. With this trick, the tunnel is not to tight. After that I pull out the boning and do the next tunnel. Take care of steel boning – it breaks your needle if you sew on it.

Um später ein möglichst schöne Nähte zu bekommen, vernähe ich den Faden nicht wie üblich, sondern schneide ihn großzügig ab und ziehe ihn dann auf der Innenseite der Schnürbrust heraus um ihn mit dem Unterfaden zu verknoten.

I do not stitch up the seams as usuall with the machine – I cut the threads and pull the upper thread to the inside of the stays and knot it with the lower thread.

Als nächstes gehts ans Ösen sticken. Da ich Front- und Rückenschnürung habe, sind es doppelt so viele. Eigentlich mache ich das ja gern, aber die Stofflagen sind so dick, dass ich teilweise mit der Zange die Nadel durchziehen muss, weil meine Finger es nicht schaffen.

Now it is time for eyelets. I have a front and back lacing so I had to do twice at much. Actually I love doing eyelets, but the fabric layers are so strong, that I had to use a pliers to get the needle through.

Das hier ist ein Bild der ersten Schnürbrustversion, darum auch anderes Garn. Hier hatte ich schon ein Futter innen dagegen gelegt, dass bei der zweiten Version fehlt. / This picture shows my first version (with different thread color and a extra lining)

Dann wird alles verstabt. Ich habe eine Mischung aus 10mm Stahlband und Kabelbinder verwendet, da Kabelbinder allein bei mir nicht genug stützt. Von Endkappen habe ich diesmal abgesehen und alles mit Tape abgeklebt. Die Kabelbinder könnte man auch anschmelzen, allerdings habe ich darauf verzichtet.

Now I added the boning. I mixed 10mm steel boning with cable ties (because just cable ties does not support as much as I want). I used tape for the ends, also for the cable ties, but they can also be melted.

Das Tape darf nicht zu dick gewickelt werden, sonst passt der Stab nicht mehr in den Tunnel. / If the tape is to thick, the boning will not fit the tunnel.

Dann heißt es: erste Anprobe. An diesem Punkt ist meine erste Version gescheitert. Ich hatte blöderweise die Nahtzugabe in der Skizze auch verstabt und darum war sie zu weit, außerdem war der Rücken immernoch nicht gut angepasst – das habe ich mit der zweiten Version dann behoben. Dennoch ärgerlich, denn da stecken ja schließlich zwei verlorene Tage Arbeit drin. Zumindest konnte ich das Boning von der alten Schnürbrust gut für die neue verwenden und musste nur minimal was nachbessern.

And after all this work it is the first time to put the stays on and see if it fits. At this point my version number one died. I lost two days with sewing them, but I am happy with the second version, because I could optimate some things and it fits so much better!

Die eigentlich schlimmste Arbeit: Mit einem Schrägband alles einfassen. Um zu verhindern, dass die Stäbe in das Schrägband rutschen habe ich die Tunnel vorher alle zugenäht. Nervenraubend sind vorallem die Zaddeln, da man die Kurven nur schwer schön gelegt bekommt. Ich habe alles von Hand aufgenäht, damit es wirklich schön liegt und keine Falten entstehen.

This is the worst part of doing stays: add the bias tape. I sew all around the stays to prevent that the boning slips into the bias tape. It takes a lot of time (and nerves!) to sew the bias around the tabs. I did it all with hand stitches to get a nice and smooth result.

Und damit ist sie dann fertig. Ich habe mich für ein schönes farbiges Band entschieden, damit das Braun nicht ganz so trist wirkt. Und muss sagen der Tragekomfort ist da und trotz doppelter Arbeit bin ich sehr zufrieden. Drei Tage habe ich für die zweite Version benötigt, also bin ich doch relativ flott durchgekommen.
Ich werde sie in den nächsten Tagen gut eintragen und kann es nicht erwarten sie das erste Mal auszuführen.

And with that they are finished! I choose a coloured ribbon to break the dreary brown shade. The stays are very comfy and I just needed three days for the second version. I will wear them the next days to give them a shape.


Schnürbrust nach Diderot

Schnürbrust nach Diderot

Neulich wache ich auf und tatsächlich ist mein Gedanke: heute mache ich eine neue Schnürbrust. Meine Alte ist bequem und passt gut, jedoch sind einige Sachen die mich daran stören, wie z.B. die ungleiche Schnürlücke, das dünne Material usw.

Und wenn ich motiviert in den Tag starte, dann muss man das voll ausnutzen!

SAMSTAG

Ich habe ja einen Schnürbrustschnitt hier liegen und zwar ist der von Diderot, allerdings nur halbverstärkt und ohne diese Querstreben an der Brust. Ich finde die aber ungemein dekorativ und wollte zudem ausprobieren, ob das nicht noch zusätzlich stützt.
Online habe ich diesen Schnitt als Skizze gefunden und einfach frei per Hand das in den Schnittplan miteingemalt. Zudem wollte ich runde Zaddeln (was ich später auch wieder bereuen sollte…), also hab ich die ebenfalls abgerundet und noch einige Streben mehr eingefügt, damit die Zaddeln gefüllt sind und nicht teilweise leer wie auf dem Originalschnitt (da frag ich mich sowieso…warum?)


Alles frei per Hand, darum 20 krumme Striche, aber die letzte Linie zählt ja schließlich ;)

Ich hatte keinen Coutil im Haus, aber ich wollte jetzt auch nicht extra einkaufen gehen, darum hab ich mich für einen dicken Baumwollstoff entschieden, der zudem noch gestärkt war, das sollte für genug Stabilität sorgen. Auf den Stoff hab ich dann die Streben übertragen.


Zunächst war die Front ein Teil, zur einfacheren Verarbeitung habe ich es aber in der Mitte getrennt und später wieder zusammen genäht.

Als Oberstoff wollte ich eigentlich einen hellblauen Blumenstoff nehmen, leider war der noch nicht gewaschen und zudem auch noch sehr dünn, dann ist es also doch ein anderer hellblauer Stoff geworden, der zudem ein wenig mehr Stand hat und so mehr Stabilität hineinbringt.


Die zwei Zwischenstoffe und der Oberstoff ausgeschnitten, gebügelt und bereit zur Weiterverarbeitung.

Die Tunnel habe ich mit der Maschine genäht. Ich hasse es ja mit der Maschine zu arbeiten, gerade bei sowas, denn ich hab immer das Gefühl, es wird nicht sauber. Aber es geht halt um Längen schneller und die wunden Hände sollten später eh noch kommen. Ich habe durch alle drei Lagen genäht und dabei die Kreuzungen von den Querstäben offen gelassen, sodass die Stäbe in verschiedenen Lagen durchgeschoben werden können.

SONNTAG

Nach einer ersten Anprobe muss ich sagen, es könnte was werden…ohne Stäbe ist es natürlich ganz schwer zu sagen, vorallem, wenn man allein ist und es so halb mit den Händen hindrückt und schätzt.

Ich habe fast den ganzen Tag mit Füllen der Tunnel verbracht. Ich habe dicke Kabelbinder dazu verwendet, da der Stahl zum einen nicht durch die Tunnel passen wollte *flöt* und zum anderen dachte ich: es ist jetzt so verstärkt, da dürfte das eigentlich genügen.


Die Innenseite: die Nähte innen habe ich unversäubert gelassen, schließlich kommt noch das Futter darüber.

Die Außenseite: Alle Stäbe laufen durch die zwei Futterlagen, nur die Querstäbe sitzen zwischen Futter und Oberstoff. Ein aufgenähter Tunnel wäre vielleicht die bessere Lösung gewesen, aber durch die Teilung der Front ist die Spannung der Stäbe nur geringfügig, schließlich müssen sie sich nur in eine Seite drehen.

Gefüllt ging es an die nächste Anprobe, auch hier ein ungefähres Schätzen, aber ich muss sagen es fühlt sich alles sehr gut, darum mach ich mir keine Sorgen, dass irgendetwas nicht passt.

MONTAG

Schnürbrust einfassen – richtig! Das war es, was dieses Kleidungsstück so unbeliebt macht -.- Ich wollte eigentlich weißes Schrägband (meine Blautöne haben leider alle nicht gepasst…) aber von weißem hatte ich nicht mehr genug im Haus und wollte nicht dafür extra einkaufen gehen müssen, also wurde es rosa (das lustigerweise von der letzten Schnürbrust noch übrig war…)
Zuerst habe ich das Schrägband in der Mitte gefaltet und auf die Nähte genäht als zusätzliche Entlastung und Zierde. Dann natürlich einmal außenrum und zwar die Außenseite zuerst.


Ich habe versucht die Kurven schön vorzustecken, damit es ein wenig schneller geht…das Band ist so widerspenstig, obwohl ich wirklich alles probiert habe, es halbwegs sauber zu machen…

Nach dem halben Tag war ich einmal außenrum. Für die Innenseite habe ich dann das Futter geschnitten und einfach aufgelegt und mit Nadeln festgesteckt. Jeder zweite Stich beim Festnähen ging durch die Zwischenfutterlage, sodass das Futter an den Nähten und am Rand auch nicht verrutscht und Falten wirft.


Am Rand hab ich das Futter durch das Aufnähen des Schrägbands fixiert, auch hier jeder zweite Stich durchs Zwischenfutter.

DIENSTAG

Mein Ruhetag…ein Wunder, dass meine Finger nicht blutig waren – ich bin ja nicht zimperlich, aber ich konnte keine Nadel mehr durchschieben, weil ich überall offene Stelle oder so wunde Stellen hatte, dass jeder Stich schmerzhaft war – die eine Hälfte kam vom Kabelbinderschneiden und durchkämpfen, die andere Hälfte durch missgeschickliches Annähen des Schrägbands und einer immer wiederkehrenden Unaufmerksamkeit, die die Nadel mehr als einmal tief ins Fleisch bohrte. Die Pflaster lagen schon griffbereit auf dem Tisch – mehr muss wohl nicht gesagt werden.

MITTWOCH

Die Höllenarbeit war ja eigentlich verrichten, jetzt mussten nur noch Ösen genäht werden. Das mach ich ja eigentlich gerne…ich habe zu Weihnachten einen Pfriem geschenkt bekommen (weil ich Ösen bisher immer mit Stift/Messer oder anderen Utensilien gestochen habe…das macht kein gleichmäßiges Bild :/ ) und ich bin Feuer und Flamme! So schöne gleichmäßige Ösen hab ich noch nie hinbekommen, weil durch den Durchstich ist es so einfach die schön zu nähen…Ich bin grad im Pfriem-Himmel.


Gestochen waren die Löcher schon von der ersten Anprobe, ich musste sie nur noch durch das Futter nachstechen. Eineinhalb Stunden habe ich für alle Ösen gebraucht…schnell wie ich finde!

Und jetzt der spannende Augenblick: Sie ist fertig! Die 4-Tages Schnürbrust!


Notiz an mich: die nächste Schnürbrust hat wieder eine Frontschnürung oder eine Kammerzofe ist bis dahin eingestellt…ich will nicht beschreiben wie affig das aussieht, wenn man die Stays falsch rum anhat, und dann unter Kraftaufwand versucht das ganze Ding an sich zu drehen und hinten dann festzuschnüren…

Ich finde sie sitzt ganz gut. Eigentlich könnte sie sogar noch enger sein, aber das geht leider nicht (und ich wundere mich, denn meine alte Schnürbrust ist ja nach dem gleichen Schnittmuster und ist etwas weiter…dabei hab ich die ja nicht anders genäht oO) Aber es ist auf jedenfall so tragbar und sehr angenehm. Mal sehen was ich nach einem Kostümtag sagen kann, ob alles immernoch gut gegangen ist. Ich finde sie stützt auf jedenfall besser (ist ja auch mehr verstabt) und ist dennoch leichter, denn die alte war mit Stahlband gefüllt und das merkt man schon am Gewicht…


Hinten ist es eigentlich Kante auf Kante geschnürt.

Das Problem mit der nach unten auseinandergehenden Schnürung das ich mit der alten Schnürbrust hatte ist weg. Mein Problem war, dass die Zaddel an der Seitennaht nicht tief genug eingeschnitten war, zumindest ist das Problem behoben…sollte ich diesen Schnitt nochmals machen, werde ich auf jedenfall die Rückenpartie etwas schmälern, damit ich wieder eine Schnürlücke habe…aber gut das sind Luxusprobleme und wenn ich meine Finger ansehe, wird das wieder ein wenig dauern, bis ich die nächste mache :D