Zu Gast in Wackershofen Anno Domini 1757

Zu Gast in Wackershofen Anno Domini 1757

Letztes Wochenende waren meine Schwester und ich in Schwäbisch Hall zu Gast im Freilandmuseum, in welchem eine Museumsbelebung statt fand und wir dachten wir beleben das ebenfalls ein wenig, indem wir unsere Kostüme raus kramen und ein bisschen die dortigen Straßen bewandern. Das Museum ist schon seit langem ein kleiner Lieblingsort von mir, denn hier sind sehr liebevoll alte Häuser aus der Umgebung im Original umgesiedelt worden und das Museumsgelände ist rießig, sodass schöne Streuobstwiesen und Kuhweiden zwischen den Häusern liegen.

Zum Glück hatte unser Chauffeur Dienst und wir konnten schon im Kostüm anreisen – in der Ikeatasche sind unsere Fichus, Hüte und die Notfall-Capes (morgens war das Wetter nämlich sehr trüb und es hatte nur 14 Grad – da wussten wir noch nichts von dem kommenden Sonnenschein)
Auf dem Museumsgelände trafen wir später auf Fjalladis (von fjalladis.de) und Patty Coat und flanierten ein wenig und bewunderten die schönen Häuser – wir wären wahrscheinlich alle sofort eingezogen, wären nicht ständig die Museumsbesucher vorbei gekommen…

Ich war hellauf begeistert, es war ein wirklich toller Tag mit Sonne aber nicht all zu heiß, sodass es gerade so auszuhalten war. Das Gelände dort ist super schön – ich kann das jedem nur ans Herz legen und alle Häuser waren geöffnet, so dass es viel zu entdecken gab. Man konnte den Darstellern beim Arbeiten über die Schulter sehen, wir durften selbstgebackenen Kuchen aus einem alten Ofen probieren und hatten wirklich tolle Gespräche mit einigen Leuten, die uns dem Reenactment näher gebracht haben, mit dem ich bisher noch keinen richtigen Kontakt hatte, aber mich schon immer gereizt hat.

Meine Schwester hatte meine Outlander-Jacke aus Leinen an, dazu einen beigen Leinenrock und eine lachsfarbene Schürze (ebenfalls aus Leinen) die wirklich wunderbar zum Outfit gepasst hat. Dazu meine Bergere, die ich zum Rokoko Picknick anhatte, allerdings mit weniger Dekoration. Fatal wie sich herausstellen sollte, denn der Hut ist so leicht, dass er bei den Windböen trotz Band nicht halten wollte. Hutnadel schied aus, weil sie durch die Haube gegangen wäre und wir Angst vor Löchern hatten, darum hatte sie ihn die meiste Zeit in der Hand.
Ich hatte ebenfalls ein Leinenensemble: eine rostrote Jacke, einen blauen Rock, sowie einen beigenen Unterrock (der eigentlich für etwas anderes gedacht war und länger als gedacht war, sodass er doch unten rauslugte…im Nachhinein nicht so schlimm aber eben auch nicht beabsichtigt…) und eine graue Schürze. Dazu eine gröbere Strohbergere (die schwer und damit gut gehalten hat) und ebenfalls eine Haube.


Picknick im Blühenden Barock

Picknick im Blühenden Barock

Letztes Wochenende fand im Ludwigsburger Schlossgarten (Blühenden Barock) ein großes Picknick im Stile des 18. Jahrhunderts statt. Seit drei Jahren organisiert die Kostümgruppe Teatro Veneziano dieses kleine Event und nur durch Zufall bin ich über diese Veranstaltung gestolpert und dachte – warum nicht…ist ja schließlich direkt vor der Haustür. Zudem habe ich ja ein Outfit das noch ungetragen im Schrank hängt und nur darauf wartet endlich ausgeführt zu werden, nämlich meine Blumenjacke um 1780.

Dank meines Chauffeurs ging es nicht nur direkt vor die Hütte, sondern ich hatte auch einen zeitgemäßen großen Korb für meine Leckereien. Limonade, Kirschkuchen und Flachswickel, sowie Decken zum Sitzen und Abdecken der Tupperdosen (wie um Himmels willen haben die Leute damals ihren Kuchen transportiert?) hatte ich eingepackt und damit war der Korb voll und schwer.
Zeitgleich war das der Testlauf für meine neuen braunen Rokoko-Schuhe mit rutschiger Ledersohle – da merkt man wie glatt der Steinweg vor dem Schloss durch die Zeit geworden ist, ich hatte kaum Halt und habe mich nur auf dem Kies fortbewegt und dabei hatte ich die Sohlen schon angeschliffen und eingelaufen…trotzdem waren sie sehr bequem und ich hatte weder blutige Stellen noch Blasen, defintiv ein Pluspunkt!

Das Picknick war wirklich sehr groß. Etwa 50 kostümierte Leute waren anwesend. Einige zwar in nicht ganz so authentischem Look, aber das Bild war trotzdem sehr stimmig, alles in Pastelltönen und eben im passenden Ambiente. Aufgrund der anstrengenden Haltung beim auf dem Boden sitzen (und den Strumpfbändern) sind uns ständig die Beine eingeschlafen, sodass wir im nächsten Jahr auf jedenfall Tisch und Stühle mitbringen.
Dafür haben wir uns schön die Beine im Park vertreten können und es sind ein paar schöne Fotos entstanden.

Da mir die Jacke irgendwie noch zu langweilig schien habe ich ein paar Schleifen auf die Front genäht, die trotz nächtlicher Arbeit halbwegs gerade sitzen. Die gleiche Farbe ziert der Hut, den ich auch einen Tag vorher noch fertig bekommen habe. Eine Anleitung dazu wird es in der nächsten Zeit geben, ich habe nämlich brav alle Arbeitsschritte dokumentiert.

Ausserdem habe ich eine neue Chemise mit einem Rüschenkragen, der ebenfalls nochmal etwas Pepp ins Outfit bringt – auch dazu werde ich bei Zeiten mal einen extra Beitrage erstellen, ich habe nämlich die Nacht zuvor nochmal die Rüschen verkleinert, weil sie zu breit waren und das Ganze irgendwie nach billiger Mittelalter-Pseudo-Bluse aussah, doch verkürzt gefällt es mir besser und ich bin froh, dass ich die Mehrarbeit auf mich genommen habe.