Robe a la francaise

Robe a la francaise

Dieses Kleid ist tatsächlich letzten Sommer fertig geworden, ich habe es bisher aber nicht geschafft etwas darüber zu schreiben, darum hol ich das jetzt nach.
Die Robe a la francaise mit ihrer Falte am Rücken fand ich zu Anfang meiner Nähereien immer furchtbar hässlich (und ich weiß nicht warum…) das hat sich inzwischen komplett geändert. Durch das viele Suchen, Sammeln und Recherchieren hab ich mich wirklich in diese Kleiderform verliebt. Und praktisch ist es auch noch: es passt sogar mehreren Größen, weil das Kleid immer direkt an den Träger angepasst wird. Also perfekt für mich, da ich doch zusätzlich noch zwei andere Damen benähe und die könnten das Kleid jederzeit ausleihen.

Ich habe vor zwei Jahren bereits mit diesem Projekt angefangen und es musste aus Zeitgründen, Materialmangel und anderen eingeschobenen Projekten leider soo lange flach liegen. Ein weiterer Grund war sicher das Schnittmuster, bei dem ich leider etwas Verständnisprobleme hatte beim Erstellen des Futters und einfach die Lust damit dann flöten gegangen ist.

Mein Schnittmuster ist von J.P. Ryan (Pet-en-l’air mit Variation Robe á la Francaise) und folglich auf Englisch – ein Wunder das noch niemand eine Übersetzung angefertigt hat? Gerade das war bei Beginn auch mein Problem: ich kannte die Fachbegriffe nicht und tat mich folglich ziemlich schwer.
Bei dem Oberstoff habe ich lange überlegt und letztlich mich dann für einen blauen Baumwollstoff entschieden.

Mein erster Zwischenstand, den ich damals fotografiert habe. Die Falte habe ich auf dem Boden gesteckt, damit die Bahnen schön gelegt werden können und dann zum Test an die Puppe geheftet. Auch der Rock ist improvisiert hingesteckt, da er noch nicht richtig gefaltet ist. Das Futter hab ich nach langer Überlegung zweilagig gemacht, auch wenn es im Schnitt nur einlagig beschrieben ist, aber da über das Futter die Form geschnürt wird, erschien mir das einlagig zu dünn. Das kann man unter Umständen machen, wenn man einen wirklich dicken Futterstoff nimmt, aber in 90% der Fälle würde ich es immer doppeln. Der Stecker ist mit Kabelbindern gefüllt. Ich habe ihn wirklich komplett verstärkt, weniger Kabelbinder würden aber auch genügen!

Auch hinten bei der Schnürung habe ich Kabelbinder verwendet und für die Schnüre Haushaltsband aus Baumwolle. Es kräuselt sich so lustig, weil es relativ alt ist und ewig auf einer Rolle war. Im Schnitt war angegeben, dass hinten geschlossen bleibt. Ich würde für die Zukunft aber hinten einen Schlitz schneiden, damit es sich noch einfacher schnüren lässt.

Die Ösen im Futter habe ich von Hand genäht. Ich habe mit Absicht vorne eine Schnürlücke gelassen, damit es nicht ausversehen Kante auf Kante geschlossen wird – so hat man mehr Spielraum, sollte eine schlankere Person einmal dieses Kleid tragen wollen.

Endlich die erste Anprobe! Ich habe dazu meine Schwester genötigt (sie liebt das ja insgeheim :P), damit ich an ihr Ärmel etc. abstecken kann. Sie hat glücklicherweise fast genau die gleichen Maße wie ich, darum ist sie die perfekte lebende Puppe!

Hab sie schön gerüscht (oder wie ich irgendwie immer sage ‚gerufflet‘ :P) und dann angenäht. Alles so weit so gut, was man leider auf den Bildern nicht sieht und ich leider auch erst zu spät: Aus irgendeinem Grund muss ich verrutscht sein, jedenfalls sitzen sie zu seitlich am Ärmel und ich werde sie nochmal abtrennen müssen und leicht verdrehen, damit der längste Punkt auch wirklich hinten mittig sitzt – was auch immer mich da geritten hat es ist zum Verrücktwerden :/ Vorallem weil ich die Rafffäden schon rausgezogen hab…Ein gutes hat es: Ich wollte noch ein dunkles Zierband drauf setzen, das kann ich in dem Schritt gleich machen.

Ich hab dann auch gleich schön den Rücken gebügelt und festgestellt, dass man super auf dem Bügelbrett feststecken kann. In dem Atemzug hab ich auch gleich die Robings gelegt und gebügelt, leider kein Bild, aber das sieht eigentlich dann genauso aus.

Da zufällig Stoffemarkt war, hab ich die Chance genutzt und noch ein paar Sachen erstanden. Zum einen habe ich eine Spitze für die Ärmel gefunden und zum anderen einige Bänder und Stoffe zum Verzieren. Lang hab ich herum überlegt, aber ich wollte die Robings mit einem etwas abgesetzteren Stoff verzieren, damit nicht alles Ton in Ton ist.

Nach längerem Betrachten bin ich mir inzwischen nicht mehr sicher, ob die Farbe nicht zu viel Kontrast hat, aber jetzt werd ich das bestimmt nicht mehr ändern und mit Jupe und Stecker wirkt das nochmal anders. An den Ärmeln wird das Blau auch nochmal aufgegriffen, dann ist das auch etwas verteilter. Die Veranstaltung, zur der dieses Kleid getragen wird ist da ja nicht so anspruchsvoll und abtrennen geht ja schließlich immernoch.
Die Jupe habe ich nebenher schon fertig genäht, das ist ja ein einfacher Rock. Aus Spargründen (und weil mir blauer Stoff fehlt) habe ich nur vorne blauen Stoff verwendet und hinten Nesselstoff vom großen Möbelhaus, das tut es allemal und durch die leichte Schleppe sieht man den Rock ohnehin nicht. Mogelröcke waren damals ja ohnehin Gang und Gebe, also wird es dadurch nur authentischer!

Und dann ist das Gute Stück auch schon fertig. Endlich!

Der Stecker ist mit zwei farbigen Schleifen verziert und auch nochmal etwas geruffletes Band – damit sehen die zwei Streifen auf der Robing nicht ganz so verloren aus. Ein bisschen übertrieben und kitschig vielleicht, aber für den kommenden Anlass meines Erachtens passend und einen Stecker kann man ja sehr einfach austauschen – vielleicht mach ich irgendwann mal eine Alternative =)

Hier nochmals die Ärmel im Detail, inzwischen sitzen sie richtig, war doch nicht ganz so anstrengend sie zu versetzen wie gedacht. Ich habe die Spitze heimlich an die Francaise angenäht, weil meine Chemise kurzärmelig ist und ich sie ja nicht nur zu diesem Outfit trage.

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