18. Jahrhundert Schnürbrust nach Diderot

18. Jahrhundert Schnürbrust nach Diderot

Ich möchte hier meinen Weg zu meiner ersten Schnürbrust dokumentieren. Zugegeben, ich hatte gehörig Angst vor meiner ersten Schnürbrust. Der Stahl, die Passform und ich bin ja auch noch nicht so erfahren. ABER (und das geht an alle, die genauso denken wie ich) es ist mit Abstand das Wichtigste am Rokokokleid. Ich dachte immer, eine Corsage tut es für den Anfang, aber dem ist nicht so. Die Form ist falsch und leider lässt der Tragekomfort zu wünschen übrig. Man kann es sich nicht vorstellen, aber ich hatte mit der Corsage nach zwei Stunden Rückenschmerzen und Druckstellen – die Schnürbrust kann ich problemlos den ganzen Tag tragen und sie entlastet mich so – keine Rückenschmerzen, eine schöne Haltung und eine schöne Form…eben das für was sie erfunden wurde…darum mein Rat: ich weiß wie sehr das abschreckt und wie unsicher man dabei ist, wieviel Überwindung der Anfang kostet und wieviel Arbeit das alles ist…aber es lohnt sich! Also nicht den gleichen Fehler machen, man spart sich so viele Schmerzen.

Im folgenden steht ein alter WIP aus einem Forum – ich will aber nichts vorenthalten.

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Als Oberstoff habe ich weißen Baumwoll-Coutil von einer Freundin bekommen, die von ihrem eigenen Korsettversuch noch etwas übrig hatte. Als Futterstoff habe ich einen einfachen Baumwollstoff gewählt und eben Stahlband für die Formgebung. Nichts besonderes, aber für die erste Schnürbrust wollt ich mich nicht in Unkosten stürzen – wie ich mich kenne wird das eh nicht die einzige bleiben :P (Anmerkung: Ich habe blöderweise Ditte genommen – leider ist der Stoff leicht elastisch und damit für eine Schnürbrust nicht geeignet, darum besser alte Bettwäsche oder bessere Baumwolle – das hat leider einiges kaputt gemacht)

Der Schnitt ist von Nehelenia (halbversteifte Schnürbrust) – allerdings traue ich mich gleich an eine Abwandlung, denn im Originalschnitt ist nur hinten eine Schnürung – da ich aber beim Anziehen und Nähen immer allein bin, wollte ich mir das Leben nicht unnötig schwer machen und somit sowohl vorne als auch hinten eine Schnürung anbringen. Zum Einstellen der hinteren Schnürung muss dann mein Freund her halten – soll er sich nicht so anstellen Bedeutet natürlich auch mehr Ösen nähen, aber das mach ich ja irgendwie gern – ne super Beschäftigung während einem abendlichen Film =D

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Ich habe zunächst Futterstoff zugeschnitten und eine grobe Anprobe gemacht, leider ist das ja mit Schnürbrüsten so eine Sache – ich glaube man sieht erst im fertigen Zustand ob sie tatsächlich richtig passt :/ Der erste Eindruck war gut, darum habe ich nichts verändern, außer die Zaddeln zu verlängern. (Um jeweils 5 cm) Da ich schon gelesen habe, dass sie manchen zu kurz sind, dachte ich Abschneiden kann man immernoch…die Träger hab ich erstmal außenvor gelassen, die sind ja im Moment noch nicht relevant und hängen glaub nur blöd im Weg rum, lieber in Ruhe anpassen, wenn ich das Stück verstärkt anprobieren kann…

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Um Vorder- und Rückenteil jeweils zu verbinden hab ich die Nähmaschine benutzt, das Zusammennähen von Futter und Oberstoff habe ich jedoch von Hand gemacht – ich wollts diesesmal ganz sauber =)
Der Coutil ist super – bleibt so toll in Form und lässt sich so toll Bügeln

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Die Markierungen habe ich mit einem Trickstift aufgetragen, den hab ich vor Kurzem erst erworben und bin ganz begeistert…ich hab mich allerdings nur getraut das Futter zu bemalen, weil ich bei dem Baumwollstoff die ‚Abklingzeit‘ schon kenne, während auf dem Coutil hätte ich erst testen müssen und das dauert ja einige Tage, bis die Markierungen weg sind…die Geduld hatte ich nicht.

Mittlerweile habe ich die Tunnel genäht und die Stäbe eingeschoben. Was ich auf jedenfall für meine nächste Schnürbrust mitnehme: dickerer Stoff als Futter! und falls es die Zeit zulässt: von Hand nähen und vielleicht was anderes als Stahlband ausprobieren. Diese Endkappen aufsetzen usw. nervt und ich würde mich jetzt nicht als ungeschickt bezeichnen. Notiz an mich: Nächstes Mal die Tunnel von Hand nähen, ich war leider zu unsauber und musste dann wieder auftrennen…und das hass ich ja…

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Von außen ist die Brust bisher in Ordnung, allerdings hat sich durch den dünneren Futterstoff innen alles gewellt…ich habs sogar aufgetrennt und nochmal probiert ob ich bei der Fadenspannung ausversehen was verstellt habe – aber daran lag es nicht :/ Dabei hab ichs schön festgesteckt gehabt und kann mir das nicht erklären Zumindest sieht man es außen nicht, da ist alles schön glatt – ein schwacher Trost.

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Die Bahnen hab ich vorher genäht und dann die Stäbchen eingeschoben, was definitiv nicht die beste Lösung ist, weil einige Tunnel zu eng waren und einige fast zu weit. Wenn man von Hand näht dauert das zwar länger aber es passt wenigstens gut und man spart sich die Auftrennzeit! Ich werd auch kein Freund von Stahlband – da werd ich nächstes Mal was anderes versuchen…

Da ich unbedingt wissen musste, wie sie sitzt, hab ich die Schnürbrust ohne fertige Ösen gefädelt – die laufen ja nicht weg.
Achja Weisheit des Tages: alleine Anziehen ist bescheiden! Zumindest wenn sie noch nicht fertig und noch nicht eingestellt ist, denn hinten selber schnüren war gar nicht einfach und sie ist mir dadurch auch ein hinten bisschen tiefer gerutscht als sie sollte. Sieht man jetzt zum Glück nicht – vor dem nächsten Mal anziehen werd ich auf jedenfall die Träger befestigen.

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Links die Schnürbrust alleine und rechts mit dem Futter der Francaise darüber um zu sehen, wie das dann sitzt. Ich bin ganz angenehm überrascht, sitzt doch bisher relativ gut und ich hoffe, dass sie in komplett fertigem Zustand noch besser sitzt (die Stäbchen sind immer wieder gerutscht, ist ja noch nichts geschlossen, da musste ich ständig nachschieben) Bin übrigens nach dieser ersten Probe froh, dass ich mich nach anfänglichem Zweifel für die Größe S entschieden habe. Laut den Angaben der Nähanleitung hätte ich M nehmen müssen, aber ich war jetzt schon hinten ziemlich weit zusammen – daher bin ich mir nicht ganz sicher, aus was sich diese Daten ergeben? Also mir ist hinten eine Lücke lieber, falls man mal doch ein bisschen zu-/abnimmt…ist sicher nicht verkehrt :P

Als nächstes das Einfassen…Ich muss zugeben, ich habs ein wenig aufgeschoben, weil ich in den ganzen Erfahrungsberichten das Gefrickel bereits beschrieben bekommen habe und tatsächlich ich kanns nur bestätigen, es ist ätzend…

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Notiz an mich: bei der nächsten Schnürbrust etwas mehr am Rand einplanen, damit ich das einfach nach innen schlagen kann und nicht mit Schrägband hantieren muss! Zugegeben mein erster Versuch ist furchtbar…ich hab versucht beide Seiten gleichzeitig festzunähen und das ergab dann das da oben.

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 Ich hab mir schmaleres Schrägband besorgt in einer schönen rosa Farbe und das alte abgetrennt und nochmals von vorn angefangen. Es ist tatsächlich mit kleinen Stichen von außen aufgenäht, da ich so die Kurven einfacher hinbekommen habe und auch besser durch den Stoff stechen konnte. Mich stört es nicht, dass man bei genauerem Hinsehen den Faden sieht, wenn es denn ein wenig die Plackerei erleichtert…Und wie man sieht, ich hab erst außen aufgenäht und später dann nochmal innen im Futter. Ist natürlich furchtbar viel Arbeit, aber das lohnt sich! Ich würde sie als sauber eingefasst bezeichnen und das hab ich mit Durchstechen ja nicht geschafft :/

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Die Träger sind auch endlich angenäht und eingestellt. Unten sieht man auch nochmal zwei Details, einmal der Träger, einmal die Zaddeln. Es geht auf jedenfall noch sauberer, da bin ich mir sicher, aber für den zweiten Versuch muss ich sagen ein großer Fortschritt, wenn ich mir den ersten Versuch ansehe

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Dank meiner Schwester konnt ich es dann auch gleich anziehen. Von vorn gefällt es mir richtig gut, es sitzt angenehm und macht zwei schöne Äpfelchen, wie man vielleicht erkennen kann.

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Leider muss es sagen, dass es hinten nicht ganz perfekt ist – bei meiner nächsten Schnürbrust muss ich da also etwas ändern. Es klafft leider unten leicht auseinander, es ist nicht viel, aber es ist auch nicht so, wie es idealerweise sein sollte…Ich bin mir nicht ganz sicher woran das liegt…hab schon bei marquise nach Rat geschaut – da sollte ich mich tatsächlich vor der nächsten Schnürbrust mit auseinandersetzen…Ansonsten muss ich sagen, war die Angst davor eigentlich unbegründet. Klar viel Arbeit, aber eigentlich wars nicht so schwer wie gedacht und man hat nochmal ein historischeres Gefühl Für meine erste Schnürbrust bin ich zufrieden und bei allen weiteren werde ich versuchen das noch zu optimieren…

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