Mittelalterlicher Radmantel

Mittelalterlicher Radmantel

Das allererste, was ich für meine Mittelalterkluft genäht habe, war ein Radmantel. Das ist zwar schon etwas her, aber ich würde es gerne trotzdem zeigen. Das macht nämlich unheimlich was her, ist eigentlich super einfach und gerade an kalten Wintertagen notwendig!

Ich habe richtigen Wollloden gekauft auf dem Stoffemarkt – der hat ungefähr 15€ der Meter gekostet, ist aber auch richtig gute Qualität, fest, schwer und wärmend. Natürlich könnte man das Ganze auch billiger haben, indem man zum Beispiel aus schwerer Baumwolle einen Umhang näht. Von Samt oder anderen leichten Stoffen würde ich abraten, außer es ist Teil eines Fantasykostüms und lediglich als Dekoration gedacht. Samt ist ohnehin kein typischer Stoff für das Mittelalter, das gab es zwar damals schon, aber war natürlich sehr kostbar und wurde nicht von einfachen Menschen getragen.
Die Stoffbreite war bei meinen Stoffen 140 (grün) und 150 (schwarz). Ich bin etwa 1,60 und mir ist 1,50 eigentlich schon zu lang, er soll ja nicht auf dem Boden schleifen und die Stadt säubern.

Es gibt Halbkreismäntel und Vollkreismäntel (sowie Dreiviertelkreismäntel, die dann das Mittel zwischen beiden sind.) Ich stell hier später noch eine Skizze ein. Ich habe jeweils Halbkreismäntel genäht, da das meiner Ansicht nach völlig genügt, es soll ja kein Reisemantel sein, unter dem man auch noch schlafen kann…Ich habe pro Mantel etwa 3m Stoff verbraucht, da gibt es natürlich kleine Reste aus denen man zum Beispiel noch eine Kapuze nähen kann. Ganz authentisch ist es natürlich den Mantel aus vielen kleinen Stücken zu nähen, z.B. Keilen, weil früher die Stoffbreite viel geringer war und so der Mantel meist nicht aus einem Stück gefertigt werden konnte. Bei meinem grünen Umhang musste ich auch etwas tricksen, weil ich sehr viel Stoff übrig hatte, allerdings den Radius nicht in der Breite bekommen habe, den ich wollte. Er ist im Gegensatz zu den schwarzen Mänteln nicht bodenlang, sondern reicht mir nur bis zum Knie (etwa 115cm Radius).

umhang2Hier sieht man, wie ich ihn zusammengenäht habe und das Bild des Halbkreismantels wird nochmals deutlich. (leider ist mein Fußboden zu klein – er passt einfach nicht in voller Größe drauf…)

Zum Zurechtschneiden wird der Mantel einmal gefaltet und das Maßband (oder eine Schnur) als Zirkel an der Stelle festgesteckt, an der später der Halsausschnitt sein soll. Mit weißer Schneiderkreide habe ich einen Kreis gezeichnet, und dann mit Nadeln festgesteckt, da ja zwei Stoffe übereinanderliegen und beim Schneiden nicht verrutschen sollen. Dann braucht man nur noch eine ruhige Hand und etwas Geduld und der Mantel ist schon beinahe fertig. Bei meinem Wollstoff musste ich zum Glück nicht Versäumen, denn das Material ist so gut, dass es nicht ausfranst. Bei einem Baumwollstoff wird das wohl notwendig sein, diesen zusätzlichen Stoff sollte man natürlich mitbedenken.

umhang1 Da ich bei dem grünen in der Mitte ein gerades Stück eingesetzt habe, musste das natürlich entsprechend stark genäht werden. Ich habe ihn erst übereinandergelegt, zusammengenäht und dann die überlappenden nochmals festgenäht, damit der schwere Stoff auch wirklich zusammenhält.

Der Halsausschnitt kann entweder ausgemessen werden, oder geschätzt (ich habe einfach geschätzt, anprobiert und dann nachgebessert…). Bei mir waren das so etwa 20-25cm an Radius. Bei einem der schwarzen Umhänge habe ich eine Kapuze angenäht, aus dem restlichen grünen Stoff habe ich eine Gugel genäht.

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umhang7Der grüne Umhang wird mit einer einfachen braunen Kordel geschlossen, dafür habe ich zwei Löchel genäht, durch die sie einfach durchgezogen werden.

Die Gugel werde ich nach einmaligem Tragen noch innen füttern müssen und den Rand vorne verstärken. Leider rutscht sie beim Tragen immer nach hinten. Durch das Verstärken vorne, bzw. ein evtl. Umkrempeln denke ich, ist genug Gewicht vorne, dass das nicht mehr passiert…ansonsten werden kleine runde Ösen genäht und das Ganze mit Haarnadeln festgesteckt (aber das ist auch nur der Notfallplan…ich hoffe das ist nicht notwendig).

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Bei diesem Umhang habe ich eine Kapuze angenäht. Das ist angeblich nicht authentisch, aber das war mir in dem Fall egal. Die Kapuze hat eine schöne „Glockenform“ wenn man sie anhat. Allerdings finde ich, dass dieser schwarze Umhang irgendwas ‚Harry-Potteriges‘ an sich hat. Vielleicht lag es an meiner Freundin, den roten Haaren und meiner Assoziation mit Hermione, naja wer weiß.

Ich habe daraufhin Borten bestellt, da werde ich eine davon dort annähen, dann sieht das Ganze schon anders aus.(1x schwarz-silber breit, 1x grün-gold schmal, 1x schwarz-gold schmal)

 

umhang9Verschlossen wird der Umhang mit Tasselscheiben. Eigentlich wurden sie mit einer Kette verschlossen (die Kette ist aber sehr lang, man legtumhang8 seine Finger hinein und hält damit den Umhang vorne). Ich wollte dieses Rumgerutsche am Hals vermeiden und habe ein Stoffband dazwischen genäht. Durch zwei genähte Knopflöcher werden sie wie Knöpfe vorne verschlossen. Auch bei Wolle müssen die Löcher genäht werden, da viel Gewicht auf diesen beiden Scheiben liegt (vom Eigengewicht man ganz zu Schweigen), und sonst die Löcher ausfransen.

Dumhang10er dritte Umhang ist ebenfalls schwarz, gleich dem anderen Schwarzen nur ohne Kapuze. Als Verschluss habe ich hier einen Wolfskopf-Verschluss gewählt. Einfach, und trotzdem ein Hingucker – meine Schwester liebt ihre Schließe total.

Die Schließen habe ich übrigens auf Pera Peris bestellt. Das war ziemlich schnell da und ich bin sehr zufrieden damit – Preis ist auch in Ordnung finde ich. (teuerer gehts auf jedenfall!)