Riding Habit um 1780

Riding Habit um 1780

Ein Riding Habit stand schon lange auf meiner Liste und zum letzten Wochenende hatte ich ihn das erste Mal an. Er besteht aus einem Habit Shirt, einem Waistecoat, sowie Jacke und Rock.
Das Shirt, bzw. die Bluse ist aus einem weißen Batist. Die Weste hat eine Front aus hellblau-weiß gestreifter Baumwolle und einen Rücken aus natufarbenem Leinen. Die Jacke ist aus dünner, dunkelblauer Wolle.


Inspiriert war ich von vielen verschiedenen Gemälden und natürlich auch von einem Outfit aus dem Film „Die Herzogin“. Zufällig habe ich nämlich Kunstfell in einem tollen Braunton gefunden, aus dem ich meinen Muff gefertigt habe. Dementsprechend musste ich natürlich meinen Zuspruch für die Whigs verkünden!

Aus Zeitgründen fehlen noch einige Sachen, denn ich möchte noch sichtbare Handnähte anbringen und das Ärmelfutter fehlt noch. Ansonsten bin ich sehr zufrieden, denn das Outfit ist super bequem. Damit ich auch an kälteren Tagen damit raus kann möchte ich noch einen passenden Umhang mit warmem Futter und passender Pelzborte nähen.


Außerdem habe ich mir einen neuen Hut gemacht, der schon lange auf meiner Favoritenliste steht und zu dem mir immer das passende Outfit gefehlt hat. Eine Anleitung dazu kommt, sobald meine überarbeiteten Anleitungsseiten wieder online gehen.

Die Outlander sammeln Maroni…

Die Outlander sammeln Maroni...

Wieder einmal war ein Treffen in Heidelberg, diesesmal auf dem Heiligenberg bei der Thingstätte und den dortigen Ruinen. Unser Gruppenmotto war Outlander, weil wir alle fleißig Kostüme genäht hatten, aber noch keinen richtigen Anlass zum Ausführen hatten – welcher Monat bietet sich da besser an, als der Oktober um das schöne Highlandwetter zu haben? Obwohl es morgens bei mir noch in Strömen geregnet hat und ich schon dachte, das fällt alles buchstäblich ins Wasser (ich hatte innerlich schon Alternativpläne geschmiedet) hatte sich das Wetter bis zum Mittag beruhigt und die Sonne war teilweise so stark, dass wir richtig zu schwitzen anfingen.

Mein Outfit bestand aus einem karierten Wollrock, einem Unterrock aus Leinen, meiner blauen Leinenjacke mit Schnürung, sowie einem Fichu, Mitts, Stulpen an den Beinen und einem Wollschal. Zudem habe ich auf die Strümpfe verzichtet und gleich eine warme Strumpfhose angezogen, und mein Wollcape war natürlich auch dabei, wurde aber nicht fotografiert – weil zu dem Zeitpunkt ging es gut ohne Cape. Ich bin froh, dass ich mich für genau die richtige Menge Kleidung entschieden habe…wäre es allerdings kälter gewesen, hätte ich durchaus noch einen wärmeren Unterrock benötigt und da wäre eine Jacke aus Wolle vielleicht auch gut gewesen – das sollte ich dringend mal auf meine Liste setzen…bald ist Stoffmarkt vielleicht finde ich ja was Feines…


Sortieren und Posieren – das sieht auf den Bildern immer so easy aus, aber mit den Röcken ist das manchmal gar nicht so einfach…

Ich muss sagen ich bin regelrecht von diesem Jackenschnitt begeistert – meine rostrote Leinenjacke und die Blumenjacke basieren auf dem gleichen Schnitt und ich merke immer wieder wie bequem dieser Schnitt ist. Ich kann mich super bewegen, die Ärmel lassen viel Freiheit und durch die Schnürung bekommt man das Oberteil ganz schön anliegend geschnürt, ohne vorne mit Nadeln das irgendwie zustecken zu müssen…ich kann das nur empfehlen und werde sicherlich irgendwann nochmal eine Schnürjacke fertigen…

Unsere Outlandertruppe – leider waren aufgrund von Abwesenheit und Krankheit einige Männer verhindert – das sollte aber im nächsten Jahr besser sein!

Nach dem anstrengenden Aufstieg auf den Berg wurde erstmal das Picknick aufgebaut und wir konnten uns in Ruhe stärken. Es gab allerlei Köstlichkeiten, von erfrischenden Gurken-Sandwiches bis hin zum versunkenen Apfelkuchen – unsere Mrs Fitz hatte ihrem Namen alle Ehre gemacht.

Gestärkt haben wir dann ganz viele Fotos gemacht, diese Ruine war wirklich die perfekte Kulisse und da waren bei jedem wunderbare Fotos dabei – die Männer musste man zwar zwingen, aber die Mühe lohnte sich!


Eigentlich hatten wir ja vorgehabt Maroni zu sammeln, wie schon im Jahr zuvor – doch uns waren viele Andere zuvor gekommen…es lagen leider nur noch die leeren Schalen auf dem Boden und die wenigen die wir gefunden haben waren wirklich sehr, sehr klein. Naja dafür haben wir trotzdem viel Spaß gehabt und ich kann es kaum erwarten meine neuen Nähideen umzusetzen.

Löwenzahn sammeln

Löwenzahn sammeln

Vergangenes Wochenende war ich wieder mal im schönen Heidelberg und habe zusammen mit einigen anderen einen schönen Spaziergang gemacht und dabei Löwenzahn gesammelt, aus dem wir nachmittags ein leckeres Pesto gekocht haben.
Mein Ensemble bestand aus der rostroten Leinenjacke, einem sandfarbenem Baumwollrock, meinem Wollcape und den Wollmitts (die ich in aller Eile und vor lauter Furcht vor kaltem Wetter noch in der Nacht vorher genäht habe). Das Wetter war uns aber so gnädig, dass ich sogar die meiste Zeit auf das Cape verzichten konnte.

Wir waren auf dem Ehrenfriedhof der Stadt unterwegs – da waren zum Glück nur wenig Leute, dafür aber ganz viel Löwenzahn! Wenn man so direkt vor den Blättern sitzt, ist man sich plötzlich nicht mehr sicher, was alles Löwenzahn ist und was Unkraut…und vorallem: wieviel Blätter ergeben 50g? Wir waren so eifrig, dass wir auf 170g später kamen, also hätten wir Pesto für zehn Leute mehr machen können.

Später im Wald stellte sich dann wieder die Komplikation: enge Wege mit Brombeeren vs. lange Röcke. Ich habe auf die Löcher verzichtet und mich mühevoll befreit. (um mich dann einen Schritt weiter wieder zu verfangen…)

Hier noch unser verwendetes Rezept zum nachmachen – das ist sehr herb im Geschmack, wer das mag sollte es unbedingt ausprobieren!

Löwenzahnpesto
– 50g Löwenzahn
– 50g Mandeln
– 50g Emmentaler (gerieben)
– 2 Zehen Knoblauch
– 6 EL Olivenöl
– 1/2 Zitrone (gepresst)
– Salz/Pfeffer

Das ganze zusammen klein mixen und dazu Spaghetti – ein Traum!


Zu Gast in Wackershofen Anno Domini 1757

Zu Gast in Wackershofen Anno Domini 1757

Letztes Wochenende waren meine Schwester und ich in Schwäbisch Hall zu Gast im Freilandmuseum, in welchem eine Museumsbelebung statt fand und wir dachten wir beleben das ebenfalls ein wenig, indem wir unsere Kostüme raus kramen und ein bisschen die dortigen Straßen bewandern. Das Museum ist schon seit langem ein kleiner Lieblingsort von mir, denn hier sind sehr liebevoll alte Häuser aus der Umgebung im Original umgesiedelt worden und das Museumsgelände ist rießig, sodass schöne Streuobstwiesen und Kuhweiden zwischen den Häusern liegen.

Zum Glück hatte unser Chauffeur Dienst und wir konnten schon im Kostüm anreisen – in der Ikeatasche sind unsere Fichus, Hüte und die Notfall-Capes (morgens war das Wetter nämlich sehr trüb und es hatte nur 14 Grad – da wussten wir noch nichts von dem kommenden Sonnenschein)
Auf dem Museumsgelände trafen wir später auf Fjalladis (von fjalladis.de) und Patty Coat und flanierten ein wenig und bewunderten die schönen Häuser – wir wären wahrscheinlich alle sofort eingezogen, wären nicht ständig die Museumsbesucher vorbei gekommen…

Ich war hellauf begeistert, es war ein wirklich toller Tag mit Sonne aber nicht all zu heiß, sodass es gerade so auszuhalten war. Das Gelände dort ist super schön – ich kann das jedem nur ans Herz legen und alle Häuser waren geöffnet, so dass es viel zu entdecken gab. Man konnte den Darstellern beim Arbeiten über die Schulter sehen, wir durften selbstgebackenen Kuchen aus einem alten Ofen probieren und hatten wirklich tolle Gespräche mit einigen Leuten, die uns dem Reenactment näher gebracht haben, mit dem ich bisher noch keinen richtigen Kontakt hatte, aber mich schon immer gereizt hat.

Meine Schwester hatte meine Outlander-Jacke aus Leinen an, dazu einen beigen Leinenrock und eine lachsfarbene Schürze (ebenfalls aus Leinen) die wirklich wunderbar zum Outfit gepasst hat. Dazu meine Bergere, die ich zum Rokoko Picknick anhatte, allerdings mit weniger Dekoration. Fatal wie sich herausstellen sollte, denn der Hut ist so leicht, dass er bei den Windböen trotz Band nicht halten wollte. Hutnadel schied aus, weil sie durch die Haube gegangen wäre und wir Angst vor Löchern hatten, darum hatte sie ihn die meiste Zeit in der Hand.
Ich hatte ebenfalls ein Leinenensemble: eine rostrote Jacke, einen blauen Rock, sowie einen beigenen Unterrock (der eigentlich für etwas anderes gedacht war und länger als gedacht war, sodass er doch unten rauslugte…im Nachhinein nicht so schlimm aber eben auch nicht beabsichtigt…) und eine graue Schürze. Dazu eine gröbere Strohbergere (die schwer und damit gut gehalten hat) und ebenfalls eine Haube.


Picknick im Blühenden Barock

Picknick im Blühenden Barock

Letztes Wochenende fand im Ludwigsburger Schlossgarten (Blühenden Barock) ein großes Picknick im Stile des 18. Jahrhunderts statt. Seit drei Jahren organisiert die Kostümgruppe Teatro Veneziano dieses kleine Event und nur durch Zufall bin ich über diese Veranstaltung gestolpert und dachte – warum nicht…ist ja schließlich direkt vor der Haustür. Zudem habe ich ja ein Outfit das noch ungetragen im Schrank hängt und nur darauf wartet endlich ausgeführt zu werden, nämlich meine Blumenjacke um 1780.

Dank meines Chauffeurs ging es nicht nur direkt vor die Hütte, sondern ich hatte auch einen zeitgemäßen großen Korb für meine Leckereien. Limonade, Kirschkuchen und Flachswickel, sowie Decken zum Sitzen und Abdecken der Tupperdosen (wie um Himmels willen haben die Leute damals ihren Kuchen transportiert?) hatte ich eingepackt und damit war der Korb voll und schwer.
Zeitgleich war das der Testlauf für meine neuen braunen Rokoko-Schuhe mit rutschiger Ledersohle – da merkt man wie glatt der Steinweg vor dem Schloss durch die Zeit geworden ist, ich hatte kaum Halt und habe mich nur auf dem Kies fortbewegt und dabei hatte ich die Sohlen schon angeschliffen und eingelaufen…trotzdem waren sie sehr bequem und ich hatte weder blutige Stellen noch Blasen, defintiv ein Pluspunkt!

Das Picknick war wirklich sehr groß. Etwa 50 kostümierte Leute waren anwesend. Einige zwar in nicht ganz so authentischem Look, aber das Bild war trotzdem sehr stimmig, alles in Pastelltönen und eben im passenden Ambiente. Aufgrund der anstrengenden Haltung beim auf dem Boden sitzen (und den Strumpfbändern) sind uns ständig die Beine eingeschlafen, sodass wir im nächsten Jahr auf jedenfall Tisch und Stühle mitbringen.
Dafür haben wir uns schön die Beine im Park vertreten können und es sind ein paar schöne Fotos entstanden.

Da mir die Jacke irgendwie noch zu langweilig schien habe ich ein paar Schleifen auf die Front genäht, die trotz nächtlicher Arbeit halbwegs gerade sitzen. Die gleiche Farbe ziert der Hut, den ich auch einen Tag vorher noch fertig bekommen habe. Eine Anleitung dazu wird es in der nächsten Zeit geben, ich habe nämlich brav alle Arbeitsschritte dokumentiert.

Ausserdem habe ich eine neue Chemise mit einem Rüschenkragen, der ebenfalls nochmal etwas Pepp ins Outfit bringt – auch dazu werde ich bei Zeiten mal einen extra Beitrage erstellen, ich habe nämlich die Nacht zuvor nochmal die Rüschen verkleinert, weil sie zu breit waren und das Ganze irgendwie nach billiger Mittelalter-Pseudo-Bluse aussah, doch verkürzt gefällt es mir besser und ich bin froh, dass ich die Mehrarbeit auf mich genommen habe.

Belle aus “Die Schöne und das Biest”

Belle aus "Die Schöne und das Biest"

Dieses Wochenende war hier ComicCon und lange hab ich überlegt, was ich anziehen könnte und da hab ich glücklicherweise neulich den perfekten Film gesehen, nämlich die neue Verfilmung von “Die Schöne und das Biest”. Und schon in der ersten Szene mit Belle habe ich mich in ihr Kleid verliebt :)

DAS KLEID

Ausgesucht habe ich mir das blaue Kleid, welches Belle eigentlich die meiste Zeit trägt. Das Bildmaterial ist leider nicht sehr ergiebig, seltsamerweise…vermutlich weil der Film noch nicht auf DVD raus ist…zum analysieren reicht es trotzdem.

Belle trägt eine Chemise und darüber eine ärmellose Jacke, einen Rock und eine Schürze, sowie zwei Taschen.
Der Rock und die Schürze sind wohl selbsterklärend, aber das Oberteil ist etwas eigenartig, zwar optisch ein wenig am 18. Jahrhundert orientiert, aber die Front wirkt etwas seltsam, denn es gibt diese Art “Lappen” der das Oberteil schließt. Er scheint an der linken Seite angehefet und wird rechts geschnürt. Und darunter ist dieser rote Lappen, bei dem ich leider gar nicht weiß, wie der angebracht ist (und vorallem welche Funktion er hat…) Ich könnte mir vorstellen, dass er ebenfalls geschnürt wird, allerdings auf der linken Seite, bzw. festgesteckt und etwaiges Durchschimmern der Chemise bei einer klaffenderen Schnürung des oberen Lappens verhindern soll – ist ja auch ein Fantasieentwurf und darum ja auch weniger funktional als optisch interessant…

DER SCHNITT
Ich werde es mir ziemlich einfach machen: ich verwende den Schnitt von meinen Rokokojacken, lass einfach die Ärmel weg und anstatt einer geschlossenen Schulterpartie gibt es eine Schnürbrustähnliche Zusammenführung. Den Frontlappen dürfte ich wohl selbst konstruiert bekommen und für die Chemise untendrunter nehm ich einfach meine bestehende. Rock und Schürze ist ja eigentlich ebenfalls sehr einfach, ich werde sie im der Machart des 18. Jahrhunderts machen, dann kann ich den Rock vielleicht auch anderweitig mal verwenden.
Ich werde zudem eine Schnürbrust unter dem Kleid tragen, denn das gibt dem ganzen eine bessere Form und die Röcke schneiden nicht ein.

Angefangen hab ich mit dem Rock aus blauem Leinen, der endet etwa eine handbreit über dem Knöchel.


Die Jacke einmal von außen, einmal von innen.


Das Festlegen der Schnürösen, die natürlich von Hand gestochen wurden.

Dann habe ich den Rückenteil meiner Rokokojacke ebenfalls aus dem Leinen geschnitten und mich dann an den Frontlappen gemacht.
Den Lappen hab ich mit einem Nesselstoff in etwa am Körper nachgeformt und das als Schablone benutzt. Eigentlich ist es im Original ein anderer Stoff, ich hab aber keinen, der so aussieht und wollte jetzt nicht extra dafür bestellen…das Stofflager soll ja kleiner werden.


Das Oberteil einmal auf die Schnürbrust gesteckt um zu testen, ob der Frontlappen gut sitzt und inwieweit die Schnürung später klafft.


Wie man sieht: alles noch gesteckt, um kleine Änderungen machen zu können.

Den roten Lappen habe ich einfach als Viereck ausgeschnitten und stecke ihn lose auf die Schnürbrust wie einen Stecker.
Die Schürze habe ich vorne in kleine Falten gelegt und mit langen Bändern versehen, die wird dann hinten gebunden.


Die zwei fertigen Taschen, allerdings noch nicht an das Band angenäht, mit welchem sie später umgebunden werden.

Die Taschen sind optisch ja wie eine Rokokorocktasche, nur dass sie außen getragen werden. Ich hatte keinen blaugestreiften Stoff mehr für die untere Tasche, da habe ich einfach blaue Stoffstreifen mit der Maschine aufgenäht. Da sie fast komplett von der roten abgedeckt wird, geht das ganz gut. Sie haben das Band aus dem Kleidleinenstoff und werden auf der Seite gebunden.
Dann gibt es noch einen Unterrock aus gestreifter Baumwolle und das Outfit ist komplett.


An sich bin ich sehr zufrieden, einige kleine Änderungen könnten noch gemacht werden, zum Beispiel sind die Träger etwas zu lang, und der Überrock leider auch, da fehlen einige cm, damit der Unterrock mehr herausschaut – leider war das im anbetracht der Zeit nicht mehr möglich, ich werde es aber bei Zeiten ändern.

Empirekleid um 1809

Empirekleid um 1809

Ich habe vor langer Zeit aus einem rosa Stoff ein Empirekleid angefangen und leider liegt es immernoch unvollendet in der Nähkiste. Ich werde es wohl einfärben, denn der Farbton steht mir gar nicht und an diesem Stück sind mir auch gleich einige Sachen aufgefallen, die mir nicht so gefallen und die leider von der Beispielzeichnung des Schnitts abweichen.

So habe ich zum Beispiel den Brustbereich etwas gestaucht und die Raffung reduziert, denn tatsächlich wirkt meine Oberweite in dem rosa Ding, als hätte ich Doppel-D (und da bin ich weit entfernt und bin auch froh darüber…) Zum anderen war mit der Ausschnitt zu wenig, bzw. die Taille saß dadurch dann auch tiefer. Hinten genau das gleiche Spiel, auch da war mir der Ausschnitt nicht tief genug. Die Ärmel im Schnitt waren auch viel zu groß. Selbst in gerafftem Zustand würden sie fast den gesamten Oberarm bedecken und da sah nur plump aus, aber nicht wirklich schön.

Mit diesem Vorhaben also ging es an einen hellblauen Baumwollstoff mit kleinen aufgedruckten Blumen. Eigentlich hatte ich vor den Stoff mit der linken Seite nach außen zu verwenden, damit das Blumenmuster nicht so aufdringlich erscheint, aber irgendwie hat mir das nach dem Zuschneiden so gefallen, dass ich dachte: egal! Soll sowieso nicht 100% A werden und es hatte einfach so etwas frisches an sich…

Als Futter habe ich Bomull genommen. Scheinbar habe ich nämlich einen Ballen erwischt, der wohl etwas dickere Qualität als sonst ausspuckt. Es hat auf jedenfall mehr Stand als mein bisheriger Stoff von dieser Sorte und für dieses leichte Oberteil ist ja ohnehin nicht ganz so viel Festigkeit möglich.


Mit ein paar Stichen ist das schnell von Hand genäht.

Ich habe diesesmal auch etwas anders gearbeitet als beim ersten Mal, denn da fallen einem natürlich die Schwachstellen auf. Das Oberteil und den Rock habe ich z.B. erst an den Futterteil des Taillenbandes genäht und dann später das Oberstoff-Tailenband oben drauf, so ist der Rockteil zweimal gesichert und man kann mit der Nadel noch kleine Fältchen (die durch das Raffen etwas ungünstig liegen) korrigieren.


Hier sieht man: der Rockteil ist bereits dran und das Band wird von außen an festgeheftet.

Die Ärmel wollte ich relativ kurz haben (zumindest im Vergleich zum Originalschnitt) also habe ich den Originalschnitt stark komprimiert. Ansonsten ist die Vorgehensweise die gleiche, wie beim üblichen Ärmel einnähen. Erst habe ich einen Streifen mit der länge des späteren Armbands auf den gerafften Abschluss genäht, damit die Raffung sich nicht auflöst, bzw. verrutscht und um dieses Band wurde dann das eigentliche Armband genäht. Ebenfalls von außen und an den Enden wie auf dem Bild unten zu sehen eingefaltet. Selbe vorgehensweise auf der oberen Seite des Ärmels, mit dem Unterschied, dass die Ärmel direkt auf das Oberteilfutter geheftet und dann der Oberstoff umgeschlagen auf die Naht genäht wurde. Zu guter letzt natürlich die Raffnähte wieder rausgezogen und fertig ist das Oberteil.


Links der Ärmel mit den Raffungsnähten – Rechts das Armband für den unteren Abschluss zum Zusammensetzen gefaltet.

Den Rock habe ich von Hand mit einem Saumstich versäumt, das nimmt zwar Zeit in Anspruch, aber sieht hübscher aus, als von der Maschine. Mit der Maschine habe ich ohnehin nur die Rockbahnen zusammengenäht (also zwei Nähte) und der Rest ist alles von Hand vernäht worden, das finde ich effektiver und bin vermutlicher auch schneller, als wenn ich wieder irgendeine blöde Naht auftrennen muss.

Fehlen nur noch die Knöpfe und die Knopflöcher. Dazu muss ich sagen: ich näh gern Ösen, aber Knopflöcher hasse ich…und ich weiß auch warum: die werden nicht gleichmäßig bei mir, weil mir einfach die Übung fehlt. Aber das zu Üben habe ich auch keine Lust, also sollte ich mal ein Projekt suchen, bei dem man viele Löcher nähen muss :P Zudem hatte ich kein passendes Garn mehr im Haus, also habe ich mit normalem Faden doppelt gelegt die Löcher umstochen…geht schließlich genau so.
Für die Knöpfe habe ich beziehbare Metallknöpfe genommen, allerdings habe ich den Stoff selbst drum herum genäht und diesen Gegenpart unten weggelassen (bei mir funktionieren diese Knöpfe eh nie…)


Um viel Volumen im Rock zu haben, habe ich hinten tiefe Falten gelegt.

Und hier mein Ergebnis:

Was ich jetzt noch zusätzlich gerne hätte? Auf jedenfall eine Chemisette um das Kleid auch tagsüber tragen zu können und lange Ärmel, die ich bei Bedarf an die bisherigen Ärmel als Verlängerung heften kann. Außerdem brauch ich eine süße kleine Schute,…Stoff dafür ist ja noch genug da.
Außerdem habe ich noch ein Schnittmuster für einen Spencer hier liegen *hust* Also bin ich noch nicht ganz fertig, aber zumindest mal einen Schritt weiter.

Schnürbrust nach Diderot

Schnürbrust nach Diderot

Neulich wache ich auf und tatsächlich ist mein Gedanke: heute mache ich eine neue Schnürbrust. Meine Alte ist bequem und passt gut, jedoch sind einige Sachen die mich daran stören, wie z.B. die ungleiche Schnürlücke, das dünne Material usw.

Und wenn ich motiviert in den Tag starte, dann muss man das voll ausnutzen!

SAMSTAG

Ich habe ja einen Schnürbrustschnitt hier liegen und zwar ist der von Diderot, allerdings nur halbverstärkt und ohne diese Querstreben an der Brust. Ich finde die aber ungemein dekorativ und wollte zudem ausprobieren, ob das nicht noch zusätzlich stützt.
Online habe ich diesen Schnitt als Skizze gefunden und einfach frei per Hand das in den Schnittplan miteingemalt. Zudem wollte ich runde Zaddeln (was ich später auch wieder bereuen sollte…), also hab ich die ebenfalls abgerundet und noch einige Streben mehr eingefügt, damit die Zaddeln gefüllt sind und nicht teilweise leer wie auf dem Originalschnitt (da frag ich mich sowieso…warum?)


Alles frei per Hand, darum 20 krumme Striche, aber die letzte Linie zählt ja schließlich ;)

Ich hatte keinen Coutil im Haus, aber ich wollte jetzt auch nicht extra einkaufen gehen, darum hab ich mich für einen dicken Baumwollstoff entschieden, der zudem noch gestärkt war, das sollte für genug Stabilität sorgen. Auf den Stoff hab ich dann die Streben übertragen.


Zunächst war die Front ein Teil, zur einfacheren Verarbeitung habe ich es aber in der Mitte getrennt und später wieder zusammen genäht.

Als Oberstoff wollte ich eigentlich einen hellblauen Blumenstoff nehmen, leider war der noch nicht gewaschen und zudem auch noch sehr dünn, dann ist es also doch ein anderer hellblauer Stoff geworden, der zudem ein wenig mehr Stand hat und so mehr Stabilität hineinbringt.


Die zwei Zwischenstoffe und der Oberstoff ausgeschnitten, gebügelt und bereit zur Weiterverarbeitung.

Die Tunnel habe ich mit der Maschine genäht. Ich hasse es ja mit der Maschine zu arbeiten, gerade bei sowas, denn ich hab immer das Gefühl, es wird nicht sauber. Aber es geht halt um Längen schneller und die wunden Hände sollten später eh noch kommen. Ich habe durch alle drei Lagen genäht und dabei die Kreuzungen von den Querstäben offen gelassen, sodass die Stäbe in verschiedenen Lagen durchgeschoben werden können.

SONNTAG

Nach einer ersten Anprobe muss ich sagen, es könnte was werden…ohne Stäbe ist es natürlich ganz schwer zu sagen, vorallem, wenn man allein ist und es so halb mit den Händen hindrückt und schätzt.

Ich habe fast den ganzen Tag mit Füllen der Tunnel verbracht. Ich habe dicke Kabelbinder dazu verwendet, da der Stahl zum einen nicht durch die Tunnel passen wollte *flöt* und zum anderen dachte ich: es ist jetzt so verstärkt, da dürfte das eigentlich genügen.


Die Innenseite: die Nähte innen habe ich unversäubert gelassen, schließlich kommt noch das Futter darüber.

Die Außenseite: Alle Stäbe laufen durch die zwei Futterlagen, nur die Querstäbe sitzen zwischen Futter und Oberstoff. Ein aufgenähter Tunnel wäre vielleicht die bessere Lösung gewesen, aber durch die Teilung der Front ist die Spannung der Stäbe nur geringfügig, schließlich müssen sie sich nur in eine Seite drehen.

Gefüllt ging es an die nächste Anprobe, auch hier ein ungefähres Schätzen, aber ich muss sagen es fühlt sich alles sehr gut, darum mach ich mir keine Sorgen, dass irgendetwas nicht passt.

MONTAG

Schnürbrust einfassen – richtig! Das war es, was dieses Kleidungsstück so unbeliebt macht -.- Ich wollte eigentlich weißes Schrägband (meine Blautöne haben leider alle nicht gepasst…) aber von weißem hatte ich nicht mehr genug im Haus und wollte nicht dafür extra einkaufen gehen müssen, also wurde es rosa (das lustigerweise von der letzten Schnürbrust noch übrig war…)
Zuerst habe ich das Schrägband in der Mitte gefaltet und auf die Nähte genäht als zusätzliche Entlastung und Zierde. Dann natürlich einmal außenrum und zwar die Außenseite zuerst.


Ich habe versucht die Kurven schön vorzustecken, damit es ein wenig schneller geht…das Band ist so widerspenstig, obwohl ich wirklich alles probiert habe, es halbwegs sauber zu machen…

Nach dem halben Tag war ich einmal außenrum. Für die Innenseite habe ich dann das Futter geschnitten und einfach aufgelegt und mit Nadeln festgesteckt. Jeder zweite Stich beim Festnähen ging durch die Zwischenfutterlage, sodass das Futter an den Nähten und am Rand auch nicht verrutscht und Falten wirft.


Am Rand hab ich das Futter durch das Aufnähen des Schrägbands fixiert, auch hier jeder zweite Stich durchs Zwischenfutter.

DIENSTAG

Mein Ruhetag…ein Wunder, dass meine Finger nicht blutig waren – ich bin ja nicht zimperlich, aber ich konnte keine Nadel mehr durchschieben, weil ich überall offene Stelle oder so wunde Stellen hatte, dass jeder Stich schmerzhaft war – die eine Hälfte kam vom Kabelbinderschneiden und durchkämpfen, die andere Hälfte durch missgeschickliches Annähen des Schrägbands und einer immer wiederkehrenden Unaufmerksamkeit, die die Nadel mehr als einmal tief ins Fleisch bohrte. Die Pflaster lagen schon griffbereit auf dem Tisch – mehr muss wohl nicht gesagt werden.

MITTWOCH

Die Höllenarbeit war ja eigentlich verrichten, jetzt mussten nur noch Ösen genäht werden. Das mach ich ja eigentlich gerne…ich habe zu Weihnachten einen Pfriem geschenkt bekommen (weil ich Ösen bisher immer mit Stift/Messer oder anderen Utensilien gestochen habe…das macht kein gleichmäßiges Bild :/ ) und ich bin Feuer und Flamme! So schöne gleichmäßige Ösen hab ich noch nie hinbekommen, weil durch den Durchstich ist es so einfach die schön zu nähen…Ich bin grad im Pfriem-Himmel.


Gestochen waren die Löcher schon von der ersten Anprobe, ich musste sie nur noch durch das Futter nachstechen. Eineinhalb Stunden habe ich für alle Ösen gebraucht…schnell wie ich finde!

Und jetzt der spannende Augenblick: Sie ist fertig! Die 4-Tages Schnürbrust!


Notiz an mich: die nächste Schnürbrust hat wieder eine Frontschnürung oder eine Kammerzofe ist bis dahin eingestellt…ich will nicht beschreiben wie affig das aussieht, wenn man die Stays falsch rum anhat, und dann unter Kraftaufwand versucht das ganze Ding an sich zu drehen und hinten dann festzuschnüren…

Ich finde sie sitzt ganz gut. Eigentlich könnte sie sogar noch enger sein, aber das geht leider nicht (und ich wundere mich, denn meine alte Schnürbrust ist ja nach dem gleichen Schnittmuster und ist etwas weiter…dabei hab ich die ja nicht anders genäht oO) Aber es ist auf jedenfall so tragbar und sehr angenehm. Mal sehen was ich nach einem Kostümtag sagen kann, ob alles immernoch gut gegangen ist. Ich finde sie stützt auf jedenfall besser (ist ja auch mehr verstabt) und ist dennoch leichter, denn die alte war mit Stahlband gefüllt und das merkt man schon am Gewicht…


Hinten ist es eigentlich Kante auf Kante geschnürt.

Das Problem mit der nach unten auseinandergehenden Schnürung das ich mit der alten Schnürbrust hatte ist weg. Mein Problem war, dass die Zaddel an der Seitennaht nicht tief genug eingeschnitten war, zumindest ist das Problem behoben…sollte ich diesen Schnitt nochmals machen, werde ich auf jedenfall die Rückenpartie etwas schmälern, damit ich wieder eine Schnürlücke habe…aber gut das sind Luxusprobleme und wenn ich meine Finger ansehe, wird das wieder ein wenig dauern, bis ich die nächste mache :D

Rokoko-Ensemble: Jacke und Rock um 1780

Rokoko-Ensemble: Jacke und Rock um 1780

Endlich hab ich etwas Neues zum Anziehen! Vielleicht kommt jemand die Kombination bekannt vor, die hab ich nämlich geklaut *hust* Lauren von American Duchess hat diese Kombination‘ vor einiger Zeit präsentiert und ich hab mich buchstäblich verliebt, vorallem der graue Rock hat mir es angetan…ich weiß auch nicht warum.

Da ich hier noch einen Ikeastoff liegen hatte, der dem ihren ein wenig ähnelt, dachte ich: warum nicht? Jacken musst du eh üben!!

Der Rock ist schon seit Januar fertig, das war ein Zwei-Tage Projekt (alles von Hand genäht).

Ich kam auf die Idee ein “V” für “Vorne” einzusticken, ich frag mich nämlich jedes Mal, wie ich meine Röcke anziehen soll…das sollte ich bei den anderen auch ergänzen.

Der Rock ist aus einem lauten Baumwollstoff, den hab ich auf dem Stoffmarkt gefunden. Er macht ein wunderbares “Kleidergeräusch”, hat ein bisschen Stand und war sehr angenehm zu verarbeiten.

An der Jacke nähe ich seit etwa vier Monaten so nebenher, immer wenn ich grad Leerlauf habe oder ein anderes Projekt Pause braucht. Ursprünglich ist das Ikea Bettwäsche aus Baumwolle, welche ich zufällig in der Fundgrube für den halben Preis mitgenommen habe, ist leider nicht mehr im Sortiment. Die Jacke habe ich aus einem Kopfkissen geschnitten, das hat gerade so gereicht. Meine Inspiration für die Jacke war einmal die Jacke aus Pattern of Fashion 1, was mir beim Konstruieren des Schößchens als Grundlage diente und zum anderen dieses Gemälde. Als Schnittmuster habe ich dieses Mal von Nehelenia “Kleider des späten Rokoko” verwendet, das hatte ich nämlich bei dem schwarzen Vampirkleid getestet und ich fand es sehr angenehm zu tragen und passte auch alles ganz wunderbar.

Und nachdem ich hier bei Nynke diesen “Weird Running Stitch” gesehen habe, dachte ich: das teste ich auch gleich mal! Ich bin auch sehr begeistert, das Futter sieht sehr ordentlich aus, man hat die Bahnen relativ schnell genäht, einzige Herausforderung: die Versäumung oben und Unten, da darf man nicht zu viel zusammen genäht haben, sonst muss man einen Teil wieder auftrennen, um das vernähen zu können. Der Stoff liegt dadurch echt schön sauber aufeinander und es bilden sich keine Hohlraumfalten oder ähnliches, was mir bei einer moderneren Arbeitstechnik eher passiert.

Man beachte meinen sexy Fuß! Achja und ich sollte den Rock noch ein wenig bügeln, bevor es rausgeht!

Eigentlich bin ich ganz zufrieden, ich hatte nur mit den Ärmeln zu kämpfen, weil ich blöderweise die Träger falsch rum anbracht hatte und deshalb immer die Ärmel nicht gepasst haben und ich das erst beim dritten Mal auftrennen bemerkt habe :blush:
Und das einzige, was anders machen würde, ist das Schößchen. Ich hab es nämlich gefüttert, weil es nicht abgesetzt ist, sondern aus dem Oberteil rausläuft (und so hatte ich auch das Futter geschnitten und dachte es sieht sauberer aus). Der Nachteil dabei ist: es ist relativ schwer und dick, sodass der hintere Teil nicht so locker fällt wie auf dem Gemälde. Ich werde vermutlich mit ein paar Stichen das Schößchen so fixieren, dass es wenigstens immer gleich liegt.

Zusätzlich zu dem PoF Schnittmuster habe ich noch zwei Halbkreise eingesetzt, damit das Schößchen noch mehr Volumen bekommt.

Da der Rock ja ein wenig kürzer ist und man so endlich mal das Schuhwerk sieht, sollte ich mir überlegen Stockings zu nähen und vielleicht doch endlich mal Geld für richtige Schuhe auszugeben? Mein Geburtstag kommt ja bald
Bis dahin hab ich vielleicht die Chance es mit meinen alten Schuhen auszuführen! Und ich sollte den Gehstock schwarz streichen, das passt sicher ausgezeichnet…und ich brauch eine neue Hutdeko… Es kommt also noch viel auf mich zu :)

Bis dahin – danke fürs Lesen und Rococo’n’Roll!

Robe a la francaise

Robe a la francaise

Dieses Kleid ist tatsächlich letzten Sommer fertig geworden, ich habe es bisher aber nicht geschafft etwas darüber zu schreiben, darum hol ich das jetzt nach.
Die Robe a la francaise mit ihrer Falte am Rücken fand ich zu Anfang meiner Nähereien immer furchtbar hässlich (und ich weiß nicht warum…) das hat sich inzwischen komplett geändert. Durch das viele Suchen, Sammeln und Recherchieren hab ich mich wirklich in diese Kleiderform verliebt. Und praktisch ist es auch noch: es passt sogar mehreren Größen, weil das Kleid immer direkt an den Träger angepasst wird. Also perfekt für mich, da ich doch zusätzlich noch zwei andere Damen benähe und die könnten das Kleid jederzeit ausleihen.

Ich habe vor zwei Jahren bereits mit diesem Projekt angefangen und es musste aus Zeitgründen, Materialmangel und anderen eingeschobenen Projekten leider soo lange flach liegen. Ein weiterer Grund war sicher das Schnittmuster, bei dem ich leider etwas Verständnisprobleme hatte beim Erstellen des Futters und einfach die Lust damit dann flöten gegangen ist.

Mein Schnittmuster ist von J.P. Ryan (Pet-en-l’air mit Variation Robe á la Francaise) und folglich auf Englisch – ein Wunder das noch niemand eine Übersetzung angefertigt hat? Gerade das war bei Beginn auch mein Problem: ich kannte die Fachbegriffe nicht und tat mich folglich ziemlich schwer.
Bei dem Oberstoff habe ich lange überlegt und letztlich mich dann für einen blauen Baumwollstoff entschieden.

Mein erster Zwischenstand, den ich damals fotografiert habe. Die Falte habe ich auf dem Boden gesteckt, damit die Bahnen schön gelegt werden können und dann zum Test an die Puppe geheftet. Auch der Rock ist improvisiert hingesteckt, da er noch nicht richtig gefaltet ist. Das Futter hab ich nach langer Überlegung zweilagig gemacht, auch wenn es im Schnitt nur einlagig beschrieben ist, aber da über das Futter die Form geschnürt wird, erschien mir das einlagig zu dünn. Das kann man unter Umständen machen, wenn man einen wirklich dicken Futterstoff nimmt, aber in 90% der Fälle würde ich es immer doppeln. Der Stecker ist mit Kabelbindern gefüllt. Ich habe ihn wirklich komplett verstärkt, weniger Kabelbinder würden aber auch genügen!

Auch hinten bei der Schnürung habe ich Kabelbinder verwendet und für die Schnüre Haushaltsband aus Baumwolle. Es kräuselt sich so lustig, weil es relativ alt ist und ewig auf einer Rolle war. Im Schnitt war angegeben, dass hinten geschlossen bleibt. Ich würde für die Zukunft aber hinten einen Schlitz schneiden, damit es sich noch einfacher schnüren lässt.

Die Ösen im Futter habe ich von Hand genäht. Ich habe mit Absicht vorne eine Schnürlücke gelassen, damit es nicht ausversehen Kante auf Kante geschlossen wird – so hat man mehr Spielraum, sollte eine schlankere Person einmal dieses Kleid tragen wollen.

Endlich die erste Anprobe! Ich habe dazu meine Schwester genötigt (sie liebt das ja insgeheim :P), damit ich an ihr Ärmel etc. abstecken kann. Sie hat glücklicherweise fast genau die gleichen Maße wie ich, darum ist sie die perfekte lebende Puppe!

Hab sie schön gerüscht (oder wie ich irgendwie immer sage ‘gerufflet’ :P) und dann angenäht. Alles so weit so gut, was man leider auf den Bildern nicht sieht und ich leider auch erst zu spät: Aus irgendeinem Grund muss ich verrutscht sein, jedenfalls sitzen sie zu seitlich am Ärmel und ich werde sie nochmal abtrennen müssen und leicht verdrehen, damit der längste Punkt auch wirklich hinten mittig sitzt – was auch immer mich da geritten hat es ist zum Verrücktwerden :/ Vorallem weil ich die Rafffäden schon rausgezogen hab…Ein gutes hat es: Ich wollte noch ein dunkles Zierband drauf setzen, das kann ich in dem Schritt gleich machen.

Ich hab dann auch gleich schön den Rücken gebügelt und festgestellt, dass man super auf dem Bügelbrett feststecken kann. In dem Atemzug hab ich auch gleich die Robings gelegt und gebügelt, leider kein Bild, aber das sieht eigentlich dann genauso aus.

Da zufällig Stoffemarkt war, hab ich die Chance genutzt und noch ein paar Sachen erstanden. Zum einen habe ich eine Spitze für die Ärmel gefunden und zum anderen einige Bänder und Stoffe zum Verzieren. Lang hab ich herum überlegt, aber ich wollte die Robings mit einem etwas abgesetzteren Stoff verzieren, damit nicht alles Ton in Ton ist.

Nach längerem Betrachten bin ich mir inzwischen nicht mehr sicher, ob die Farbe nicht zu viel Kontrast hat, aber jetzt werd ich das bestimmt nicht mehr ändern und mit Jupe und Stecker wirkt das nochmal anders. An den Ärmeln wird das Blau auch nochmal aufgegriffen, dann ist das auch etwas verteilter. Die Veranstaltung, zur der dieses Kleid getragen wird ist da ja nicht so anspruchsvoll und abtrennen geht ja schließlich immernoch.
Die Jupe habe ich nebenher schon fertig genäht, das ist ja ein einfacher Rock. Aus Spargründen (und weil mir blauer Stoff fehlt) habe ich nur vorne blauen Stoff verwendet und hinten Nesselstoff vom großen Möbelhaus, das tut es allemal und durch die leichte Schleppe sieht man den Rock ohnehin nicht. Mogelröcke waren damals ja ohnehin Gang und Gebe, also wird es dadurch nur authentischer!

Und dann ist das Gute Stück auch schon fertig. Endlich!

Der Stecker ist mit zwei farbigen Schleifen verziert und auch nochmal etwas geruffletes Band – damit sehen die zwei Streifen auf der Robing nicht ganz so verloren aus. Ein bisschen übertrieben und kitschig vielleicht, aber für den kommenden Anlass meines Erachtens passend und einen Stecker kann man ja sehr einfach austauschen – vielleicht mach ich irgendwann mal eine Alternative =)

Hier nochmals die Ärmel im Detail, inzwischen sitzen sie richtig, war doch nicht ganz so anstrengend sie zu versetzen wie gedacht. Ich habe die Spitze heimlich an die Francaise angenäht, weil meine Chemise kurzärmelig ist und ich sie ja nicht nur zu diesem Outfit trage.